vorarlberg.at · Verkehrspolitik · Öffentlicher Personennahverkehr
Der Grossraum Bodensee – ein bedeutender Wirtschaftsraum mit rund 4.5 Mio. Einwohnern – wird durch Landesgrenzen zerschnitten. Der See im Zentrum dieses Raumes stellt eine natürliche Barriere dar. Die Folge davon ist, dass die grenzüberschreitenden Bahnverbindungen ungenügend sind und dem üblichen Standard der an den Bodensee angrenzenden Länder nicht entsprechen. Mit dem Einigungsprozess in Europa werden die Grenzhemmnisse abgebaut. Dadurch nimmt der grenzüberschreitende Verkehr überproportional zu. Ohne einen Quantensprung im öffentlichen Verkehr spielt sich diese Zunahme grösstenteils auf der Strasse ab. Die Strasseninfrastruktur wird das steigende Aufkommen nicht aufnehmen können. Dies hat nicht nur für die Umweltqualität fatale Folgen, die zunehmenden Staus sind mit gravierenden wirtschaftlichen Nachteilen verbunden.
Hier setzt das Projekt BODAN-RAIL 2020 an. Es definiert erstmals den Grossraum Bodensee als einheitliche Planungsregion und erarbeitet Instrumente für eine koordinierte und kohärente Verkehrspolitik im schienengebundenen Personenverkehr. Zudem werden konkrete Vorschläge, wie das offensichtlich ungenügende Bahnangebot verbessert werden kann, vorgelegt. Damit werden die Voraussetzungen für eine nachhaltige Ertüchtigung von Infrastruktur und Betrieb des Schienenverkehrs im Bodenseeraum geschaffen, die für die Entwicklung einer prosperierenden Wirtschaft unerlässlich sind. Mit diesem Konzept können insbesondere im Hinblick auf die Erstellung des österreichischen Generalverkehrsplanes und des deutschen Bundesverkehrswegeplanes sowie dem Ausbau des Schweizer Eisenbahnnetzes die Interessen der Bodenseeregion untermauert werden.
Hinter dem Projekt stehen als Träger 8 Schweizer Kantone, das Fürstentum Liechtenstein und das Land Vorarlberg, 4 Ministerien aus Baden-Württemberg und Bayern sowie 7 deutsche und schweizerische Städte. Ausgeführt wurden die Arbeiten innerhalb des Interreg II – Programms der EU unter Beteiligung des Seco Bern.
Die Grundlagen
Erstmals stehen als Planungsgrundlagen ein internationales Netzplanungsmodell und ein entsprechendes Nachfragemodell zur Verfügung. Dies ist – zumindest für den Grossraum Bodensee – ein Novum und ein echter Quantensprung für die Bewältigung der immer komplexer werdenden Verkehrsprobleme. Diese Modelle stehen den Bahnen, aber auch den planenden Behörden ab sofort zur Verfügung.
Das Netzplanungsmodell BODAN-RAIL 2020 enthält das gesamte Schienennetz mit allen Daten, welche für die Modellierung des Bahnbetriebs notwendig sind. Mit diesem Modell können neue Angebote entwickelt werden. Die Resultate werden als Netzfahrpläne ausgegeben, die die Zugläufe geographisch abbilden und die Ankunfts- und Abfahrzeiten in den Bahnhöfen aufzeigen können.
Das Nachfragemodell BODAN-RAIL 2020 enthält alle Daten, welche es erlauben, die aus dem Angebot abgeleiteten zu erwartenden Verkehrsmengen auf die konkreten Bahnlinien umzulegen. Damit kann die erzeugte Nachfrage ermittelt werden.
Die Vorschläge
BODAN-RAIL 2020 webt zwischen die europäischen Hochgeschwindigkeitsstrecken ein feinmaschiges Netz von Zugslinien, die die Fläche schnell und grenzüberschreitend erschliessen. Neu für den Grossraum Bodensee ist dabei, dass BODAN-RAIL 2020 erstmals die Taktsysteme der deutschen, österreichischen und schweizerischen Bahnen so miteinander verknüpft, dass auch an den Grenzen ein durchgängiges System entsteht. Dass es gelungen ist, die nationalen grundsätzlich aufeinander nicht abgestimmten Angebotssystem um den Bodensee vollständig zu harmonisieren, ist ein Fortschritt, der mit der Einführung des Angebotssystems BAHN 2000 in der Schweiz vergleichbar ist. Damit können wesentlich kürzere Reisezeiten erreicht, viel mehr direkte Verbindungen geschaffen und die Umsteigebeziehungen massiv verbessert werden.
Neben den für die Verbindung des Städtenetzes Bodensee vorgesehenen Fern-zügen (A- und B-Züge) wird für den Regionalverkehr die Bildung einer S-Bahn BODAN vorgeschlagen, die an das S-Bahn-Netz Zürich anschliesst und die Ost-schweizer Kantone, Vorarlberg, die Bodenseegürtelbahn und die Südbahn bis Aulendorf umfassen könnte.
Die Auswirkungen
Insgesamt werden durch das Konzept BODAN-RAIL 2020 die grenzüberschreitenden Verkehrsleistungen der Bahn von 426 Mio. Personenkilometern im Analysejahr 1997 auf 820 Mio. im Jahr 2020 gesteigert. Das entspricht einer Zunahme von stattlichen 92.5 %. Das Verkehrsaufkommen in Personenfahrten pro Jahr wächst von 3.75 Mio. in 1997 auf 7.9 Mio. in 2020, was mehr als einer Verdoppelung entspricht. Mit einem solchen maximal optimierten Bahnsystem kann von der künftigen Verkehrsbelastung ein überdurchschnittlicher Anteil auf die Bahn gelenkt werden.
Damit der vorgeschlagene massiv verdichtete Fahrplan eingehalten werden kann, müssen zahlreiche Infrastrukturausbauten durchgeführt werden. Insbesondere müssen u.a. rund 500 km Gleislänge elektrifiziert, 370 km für höhere Geschwindigkeiten ausgebaut, 270 km für Neigezugbetrieb ausgerüstet und 225 km Zusatzgleise gelegt werden. Die Kosten hiefür dürften in der Grössenordnung von 2 bis 2.5 Mrd. EURO liegen. Sie entsprechen in etwa der Hälfte des Betrages, der in der Schweiz für die 2. Etappe von Bahn 2000 ausgegeben werden soll.
Dieser Betrag muss nicht auf einmal aufgewendet werden. Das Konzept BODAN-RAIL 2020 kann selbstverständlich in Etappen realisiert werden. Ein erster Zwischenschritt wurde geprüft: Bereits mit einem Teil der vorgeschlagenen Investitionen können wesentliche Verbesserungen erreicht werden.
Die zur Zeit in der Schweiz in Erarbeitung befindlichen Massnahmen für die Bahn 2000 2. Etappe orientieren sich bereits an den Resultaten von BODAN-RAIL 2020. Dadurch ist dem Projekt auf Schweizer Seite ein wesentlicher Teil der Umsetzung gesichert. Das Konzept ist jedoch auch im Hinblick auf die Erstellung des österreichischen Generalverkehrsplanes und des deutschen Bundesverkehrswegeplanes von Bedeutung.
Erschliessung der Fläche oder eine schnelle Linie?
Eine der Hauptmotivationen für die Auslösung des Projektes BODAN-RAIL 2020 war die bessere Anbindung der Ostschweiz inkl. Zürich an das deutsche Hochleistungsnetz der Bahnen bzw. eine bessere Anbindung von Süddeutschland und Vorarlberg an die NEAT in der Schweiz. Hiefür dachte man an den Bau einer neuen schnellen Achse im Grossraum Bodensee. Verblüffendes Ergebnis der abgeschlossenen Studie ist nun, dass dem Grossraum Bodensee vorerst mit einem die Flächenerschliessung insgesamt massiv verbessernden Bahnnetz erheblich mehr geholfen werden kann als mit der Einführung einer neuen Schnellbahnlinie. Diese Erkenntnisse entsprechen den Erfahrungen in der Schweiz, wo das seinerzeitige Konzept einer neuen helvetischen Transversale (NHT) von Genf bis St. Gallen durch das Konzept Bahn 2000 abgelöst wurde, das der ganzen Schweiz gesamthaft mehr Vorteile brachte.
Die Bedeutung des Konzeptes aus Vorarlberger Sicht
Die Vorschläge im Konzept BODAN RAIL 2020, orientieren sich am zukünftigen Verkehrsgeschehen und an den Bedürfnissen des Schienenpersonenverkehrs im Bodenseeraum. Sie zeigen auf was sinnvoll machbar wäre und welche positiven Auswirkungen auf die Nachfragesituation damit verbunden sind.
Schwerpunkte bei den Ausbauerfordernissen ist die Strecke Zürich–St. Gallen–Bregenz–München, wobei in der Schweiz durch das Konzept „Bahn 2000“ ein wesentlicher Teil ohnedies bereits vorgesehen ist. In Vorarlberg sind in diesem Zusammenhang vor allem Ausbauten zwischen St.Margrethen und Bregenz durchzuführen. Sie wurden bereits beim Generalverkehrsplan angemeldet.
DER GRÖSSTE HANDLUNGSBEDARF LIEGT ALLERDINGS IN DEUTSCHLAND AUF DER STRECKE ZWISCHEN LINDAU UND MÜNCHEN SOWIE BEI DER SEIT LANGEM ÜBERFÄLLIGEN ELEKTRIFIZIERUNG UND DEM AUSBAU DER STRECKE VON LINDAU ÜBER FRIEDRICHSHAFEN NACH ULM!
Hinsichtlich der Erarbeitung des österreichischen Generalverkehrsplans liefern die Ergebnisse von BODAN RAIL 2020 einen wertvollen Mosaikstein. In Ergänzung mit den Anforderungen des Güterverkehrs sowie des innerösterreichischen Ost-West-Verkehrs müssen folgende Ausbauvorhaben in Vorarlberg enthalten sein:
Die Kurzfassung der Studie ist untenstehender Infobox zu entnehmen:
Weiter Informationen unter www.bodan-rail.net
Download:
Kurzfassung Studie BODAN-RAIL 2020 (24.7 MB)
Die erforderlichen Programme zum Anzeigen und Abspielen finden Sie hier: Download Programme