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Zukunft - Büro für Zukunftsfragen

Nahraumkonferenz

Gemeinden lebendig erhalten - Nahraumkonferenz diskutiert die Zukunft der Nahversorgung

Kürzlich veranstaltete der neu gegründete Verein "Dörfliche Lebensqualität" zusammen mit dem Büro für Zukunftsfragen im Bildungshaus St. Arbogast eine erste Nahraumkonferenz. Rund 80 Vertreter der Gemeinden und betroffener Institutionen beschäftigten sich mit der Frage "Welche Zukunft hat mein Lebensraum?".
Demographischer Wandel, Globalisierung und Abwanderung setzen den ländlichen Raum stark unter Druck. Der Schwund der kleinen Dorfgeschäfte ist dabei weniger ein Problem der Versorgung mit Gütern als ein soziales Problem, denn ein Dorf ohne Treffpunkte, ohne Orte der Begegnung und Kommunikation ist kein lebendiger Lebensraum. Wo sollen sich Menschen sonst begegnen, kennenlernen, voneinander erfahren? Es stellt sich immer mehr heraus, dass vertrauensvolle Beziehungen (Sozialkapital) nicht nur soziale Wärme bedeuten, sondern auch eine Grundvoraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg darstellen. Mit der Nähe schwindet deshalb längerfristig auch die Basis des Wohlstands.
Bei der Nahraumkonferenz haben sich engagierte Bürger, Ladner, Produzenten mit Vertretern aus Politik, Verwaltung und der Gemeinde- und Regionalentwicklung getroffen, um über mögliche Auswege zu diskutieren. Schnell war man sich einig, dass es nichts nützt, darüber zu jammern, dass die Bevölkerung sich zwar verbal zum Laden bekennt, in der Praxis aber doch den Supermarkt bevorzugt.

Folgende Punkte haben sich in der Diskussion herauskristallisiert:
- Moralische Appelle, statt im Supermarkt doch im Dorfladen einzukaufen, verhallen ungehört. Statt darüber zu jammern, wie die Konsumenten sich verhalten, sollte man sich mehr an deren Bedürfnissen orientieren. So gibt es – als Folge der zunehmenden Vereinzelung – ein wachsendes gesellschaftliches Bedürfnis nach Begegnung und Nähe, wo der kleine Laden eigentlich einen großen Wettbewerbsvorteil hätte. Nicht allen Händlern ist klar, dass ihre Chance nicht der billigste Preis, sondern die freundliche und persönliche Betreuung des Kunden darstellt.
- Der Bevölkerung sollte auch besser erklärt werden, welchen Nutzen eine funktionierende Nahversorgung für sie und die Gesellschaft hat, und wie dies mit der persönlichen Lebensqualität zusammenhängt.
- Die Bedeutung der Nahversorgung kann der Händler allein nicht glaubwürdig transportieren. Hier ist die öffentliche Hand gefordert. Sie sollte – lokal, regional und landesweit – die Bewusstseinbildung intensivieren und alle Möglichkeiten ausschöpfen, den Dorfladen ideell und materiell zu unterstützen.
- Es gibt bereits zahlreiche erfolgreiche Beispiele, wie Gemeinden die lokale Nahversorgung stärken. Diese Beispiele sollten besser kommuniziert werden. Im Herbst plant der Verein Dörfliche Lebensqualität dazu eine Best-practice-Konferenz.
- Neben Handel und Gemeinde spielen engagierte Bürger eine Schüsselrolle. Deshalb sind Kooperationen zwischen den verschiedenen Akteuren so wichtig: Allein sind wir ohnmächtig, aber gemeinsam sind wir stark. Allein schon die Gründung des Vereins Dörfliche Lebensqualität ist ein starkes Signal: Gemeinsam sind wir stark! Erfolgreiche Beispiele wie Langenegg, Thal oder Dafins zeigen, dass die Lösung in einer engen Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und engagierten Bürgern liegt, denen Nähe ein Anliegen ist.
- Engagement und Kooperation ist nicht genug, es braucht auch neue Ideen: Nahversorgung sichern heißt nicht nur, Bestehendes zu bewahren, sondern auch in neuen Bahnen denken, neue Wege einzuschlagen, Innovation zu fördern. 

Bei der Tagung war großes Engagement und Aufbruchstimmung spürbar. Zahlreiche gute Ideen wurden ausgetauscht. Es war inspirierend, von den Teilnehmern konkrete praktische Beispiele aus den Gemeinden zu hören. Für viele war es schon eine Stärkung, zu hören, dass man mit den Problemen nicht alleine ist, und der Verein eine Plattform für Austausch, Inspiration und Kooperation bietet. Die Kunst besteht nun darin, diese Energie zu nützen und am Leben zu erhalten.

Infobox

Im Oktober 2008 ist bereits eine zweite Nahraumkonferenz geplant. Dann wird man sich intensiv mit best-practice Modellen auseinandersetzen.

Termin: 2. Oktober 2008, 12:30 Uhr bis ca. 20 Uhr

Weitere Informationen: "Verein Dörfliche Lebensqualität";

Betr. oec. Julius Schedel

Tel: 05522/54654 oder office@schedel.at


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