vorarlberg.at · Natur- und Umweltschutz · Daten & Fakten · Wiesenmeisterschaft
Inhalt der Wiesenmeisterschaft:
Zur Teilnahme berechtigt sind landwirtschaftliche Betriebe mit ökologischen Mindeststandards. In begründeten Einzelfällen können auch Nichtlandwirte WiesenmeisterInnen werden. Es gibt drei Preiskategorien: Einzelfläche, Gesamtbetrieb und Alpbetrieb.
Zu den Einzelflächen können einmähdige Streue- oder Magerwiesen, traditionelle artenreiche ein- bis max. dreischnittige Fettwiesen eingereicht werden. Bei der Kategorie Gesamtbetrieb wird der Betrieb als Ganzes bewertet. Wichtig sind eine gute Betriebsführung und ein abgestufter Wiesenbau mit einer geschickten Verbindung von Intensiv- und Extensivnutzung. Bei der Kategorie Alpbetrieb werden die Aspekte Vorkommen von seltenen Pflanzenarten, Ausgewogenheit der Weidebestände, Landschaftselemente, Trittschäden, Mistdüngung ja/nein, Weidepflege und Biotopschutz bewertet. Die Bewertung und Reihung nimmt das Umweltbüro Grabher vor. Aus den Reihungen legt dann eine hochkarätig besetzte Jury die Siegerwiesen und -betriebe fest.
Die GewinnerInnen (= WiesenmeisterInnen) werden mit einer von Landeshauptmann Sausgruber unterzeichneten Urkunde gewürdigt und zu einer zweitägigen Exkursion zu den Wiesen und Weiden im Engadin und Südtirol eingeladen. Diese Exkursion führen Univ Prof Georg Grabherr und der Schweizer Wiesenexperte Dr Walter Dietl. Für die Zeit der Exkursion werden zusätzlich die Kosten für einen Betriebshelferdienst übernommen, unabhängig, ob dieser beansprucht wird oder nicht.
Alle TeilnehmerInnen der Wiesenmeisterschaft, ob SiegerInnen oder nicht, erhalten eine schön illustrierte Beschreibung ihrer eingereichten Einzelflächen, Gesamt- oder Alpbetriebe. TeilnehmerInnen, die nicht zu den SiegerInnen zählen, erhalten ein Schreiben, in dem begründet wird, warum sie nicht zu den SiegerInnen auserkoren wurden mit Bewirtschaftungsvorschlägen, die eine ökologische Verbesserung bewirken sollen.
Ziele der Wiesenmeisterschaft:
Vorarlberg ist auf kleinem Raum durch eine große Landschaftsvielfalt ausgezeichnet. In vielen Teilen ist diese auf die landwirtschaftliche Nutzung angewiesen. Dabei vergessen wir oft, dass die Erhaltung der Kulturlandschaft oft mit großem Aufwand verbunden ist. Die Wiesenmeisterschaft möchte diese Leistung der Bäuerinnen und Bauern zur Pflege der Kulturlandschaft bewusst machen. Zugleich soll die Wiesenmeisterschaft zeigen, dass nur eine standortsangepasste Nutzung die Lebensräume der Pflanzen- und Tierwelt bewahren kann.
Ziele der Wiesenmeisterschaft:
Motivation für die Wiesenmeisterschaft:
Die Idee der Wiesenmeisterschaft geht auf Herrn Univ Prof Georg Grabherr zurück. Er ist Vorsitzender des Vorarlberger Naturschutzrates, ein Gremium, das es sonst in Österreich nicht gibt. Es berät die Vorarlberger Landesregierung in grundsätzlichen strategischen Belangen des Natur- und Umweltschutzes. Die Grundidee der Wiesenmeisterschaft ist einfach, aber sehr wirkungsvoll. Die Idee der Wiesenmeisterschaft kann mit der Prämierung von Leistungen in der Tierzucht verglichen werden. Im einen Fall geht es um die Honorierung von Zuchtleistungen, im anderen um die Anerkennung der Leistung eines Biodiversitäts-Managements am Bauernhof. Die Wiesenmeisterschaft zeichnet artenreiche Wiesen und eine auf einer guten landwirtschaftlichen Praxis fußende Wiesenkultur aus. Durch die Wiesenmeisterschaft wird der Leistungsbegriff der Landwirtschaft in der Wahrnehmung der Bäuerinnen und Bauern aber auch der übrigen Bevölkerung sehr wirksam auf ökologische Ziele erweitert: Die Bäuerin bzw. der Bauer soll nicht nur stolz auf tierische Leistungen sein, sondern ebenso auf gut geführte und ökologisch wertvolle Wiesen und Weiden.
Wiesenmeisterschaft bringt Innovation:
Die Vorarlberger Wiesenmeisterschaft wurde im Jahr 2002 als erste Wiesenmeisterschaft durchgeführt. Zwischenzeitlich gibt es auch in Baden-Württemberg, in der Schweiz, im Wienerwald und ab heuer auch im Südtirol Nachfolgeprojekte. Alle diese Wiesenmeisterschaften gehen von der Idee der Vorarlberger Wiesenmeisterschaft aus und berufen sich auch auf diese.
Die Vorarlberger Wiesenmeisterschaft enthält die Elemente ökologische Zertifizierung und Bewusstseinsbildung für LandwirtInnen und die Gesellschaft sowie Bildung und Beratung für LandwirtInnen. Die Erstbewertung erfolgt durch ein Umweltbüro; bei dieser Besichtigung hat die Einreicherin bzw. der Einreicher die Möglichkeit dabei zu sein, was auch durchwegs ausgeschöpft wird. Im Zuge dieser Besichtigung findet auch eine Beratung statt. Das besondere an der Vorarlberger Wiesenmeisterschaft ist, dass auch NichtsiegerInnen eine schön gestaltete Dokumentation ihrer eingereichten Einzelflächen, Gesamt- oder Alpbetriebe erhalten. Weiters unterscheidet sich die Vorarlberger Wiesenmeisterschaft von anderen Projekten dadurch, dass die SiegerInnen zu einer zweitägigen Exkursion in Engadin und Vinschgau eingeladen werden. Die Exkursionen mit O Univ Prof Mag Dr Georg Grabherr und Dr Walter Dietl haben einen sehr effektiven Bildungseffekt und kommen bei den TeilnehmerInnen auch ausgesprochen gut an.
Die Wiesenmeisterschaft ist in Vorarlberg ein Vorzeigeprojekt im Bereich Naturschutz / Landwirtschaft und ist ein wichtiger Grund dafür, dass im Land Vorarlberg die Kooperation zwischen Naturschutz und Landwirtschaft ein im Vergleich zu anderen Regionen relativ hohes Niveau erreicht hat. Diese gute Kooperation ist eine Mitvoraussetzung für eine ökologisch gut geführte Landwirtschaft.
Fotos: Mag Makrus Grabher (umg), Mag Ingrid Loacker (umg)
Kontakt:
Amt der Landesregierung – Umweltschutz (LageplanFahrplan)