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Späte Mahd erhält die Vielfalt
Viele Feuchtwiesen wurden über Jahrhunderte nicht gedüngt und erst im Herbst gemäht. Deshalb lieferten sie auch kein Futter für das Vieh, sondern nur Einstreu. Diese Nutzung förderte langsam wachsende und an karge Verhältnisse angepasste Blumen und Gräser. Auf diese Weise entstanden Streuwiesen, die zu unverzichtbaren Rückzugsgebieten für viele seltene Pflanzen und Tiere wurden.
Streuwiesen präsentieren sich je nach Bodenaufbau und Wasserstand sehr unterschiedlich. Um das Rheindeltahaus weisen Sumpfziest, Gilb- und Blutweiderich, Steifsegge, Kuckuckslichtnelke, Wasser und Ackerminze auf nasse und reichlich mit Nährstoffen versorgte Böden. Etwas gilt aber für alle Streuwiesen: Im Herbst verlagern die meisten Pflanzen ihre Nährstoffe in ihre untererdischen Pflanzenteile. Auch ohne Düngung liefern sie daher Jahr für Jahr gleich hohe Erträge.
Natürlich profitiert die Tierwelt ebenso von der späten Mahd und von der Vielfalt an Pflanzen. Schmetterlinge und Schwebfliegen finden hier den ganzen Sommer über Nektar. Insektenlarven, die in mehrschnittigen Wiesen ihre Entwicklung kaum beenden können, reifen in Streuwiesen bis zum Herbst zum erwachsenen Individuum heran. Mancher Schmetterling, mancher Käfer kann daher fast ausschließlich in Streuwiesen beobachtet werden.
Artenreichtum mit seltenen und bedrohten Arten machen Streuwiesen somit zu einzigartigen Lebensräumen, die auf Nutzungsänderungen und Austrocknung empfindlich reagieren. Vorarlberg hat mit seinen großen Feuchtgebieten österreichweite Verantwortung für den Lebensraum Streuwiese. Im Naturschutzgebiet Rheindelta sind noch mehrere 100 ha dieser wertvollen Lebensräume erhalten.
Goldrute und Blutweiderich: Zwei Eroberer im Pflanzenreich
Viele Pflanzen wurden durch die Menschen weltweit verbreitet – darunter auch etliche Arten der Feuchtgebiete. Ursprünglich stammt die Späte Goldrute aus Nordamerika, wurde bei uns aber als Bienenweide und Zierpflanze eingeführt. Heute besiedeln Goldruten auf Kosten der ursprünglichen Pflanzen- und Tierwelt Bahndämme, Schuttplätze und auch viele Streuwiesen. Diese Entwicklung lässt sich auch bei europäischen Arten beobachten – nur eben umgekehrt: Der Blutweiderich belebt mit seinen auffallend purpurroten Blüten viele Feuchtwiesen. In Nordamerika verhält er sich jedoch wie die Goldrute bei uns. Er erobert Feuchtgebiete und verdrängt die ursprüngliche Pflanzenwelt, so dass in den USA sehr viel Geld in Bekämpfungsmaßnahmen investiert wird.
Text/Fotos: umg - Broschüre Rheindeltahaus
Bildnachweis: M Grabher, M Granitza,G Stadler,
D Huber, W Niederer, M Roggo, Vbg Naturschau