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Artenreichtum durch Nährstoffarmut
Wenn trockene Wiesen naturnah genutzt werden, entwickeln sich artenreiche Lebensräume. Dies gilt auch für die vom Menschen geschaffenen Hochwasserschutzdämme am Rhein. Weil nicht gedüngt wird und weil der Boden im Sommer manchmal austrocknet, scheinen die Bedingungen für die Pflanzen auf den ersten Blick nicht besonders günstig. Aber gerade dieser „Stress“ trägt dazu bei, dass hier eine große Vielfalt entstand. Sind Nährstoffe und Wasser reichlich vorhanden, breiten sich wenige konkurrenzstarke Pflanzen auf Kosten der anderen aus. Aus diesem Grund sind die meisten artenreichen Lebensräume nährstoffarm. Zwei Gräser sind für die trockenen Rheindämme charakteristisch: Der Glatthafer für die Glatthaferwiesen und die Aufrechte Trespe in den Trespenwiesen. Aber erst die Blumen machen Magerwiesen so richtig bunt: Margerite, Wiesen- und Skabiosenflockenblume bereichern mit zahlreichen andere Blumen nicht nur die Landschaft, sondern sind auch wichtige Nektarpflanzen für Insekten. Weil in den vergangenen Jahren Blumenwiesen seltener wurden, sind die artenreichen Rheindämme für Insekten so wertvoll. Nicht nur für den auffallenden Schachbrettfalter oder den Schwalbenschwanz – wohl einer unserer schönsten Schmetterlinge, der seine Eier mit Vorliebe auf der Wilden Möhre ablegt. Auch für zahlreiche Wildbienen, die hier Nahrung finden und ihre Niströhren in den Dämmen bauen. Denn im Gegensatz zu unserer Honigbiene leben viele Wildbienen „solitär“, sind also Einzelgänger. Damit diese Artenvielfalt erhalten bleibt, müssen Wiesen genutzt werden. Aber eben naturnah, also ohne Düngung und mit nur ein bis zwei Schnitten pro Jahr.
Die Helmorchis: Ein anspruchsvolles Knabenkraut
Die Helmorchis gilt in Österreich zwar als gefährdet, kommt an den Rheindämmen aber gar nicht so selten vor. Ihre Blütezeit ist recht kurz, beschränkt sich etwa auf Ende April und Mai. Nach der Blüte sind dann nur noch die trockenen Stängel zu finden. Wie alle Knabenkräuter zählt auch die Helmorchis zu den Orchideen, von denen alle einheimischen Arten geschützt sind. Ein besonderes Merkmal der Orchideen ist, dass ihre Samen meist winzig klein sind und nur im Zusammenspiel mit einem Pilz keimen können. Davor liegen sie oft etliche Jahre im Boden. Übrigens haben Ziele von uns schon Orchideensamen gegessen: Die kleinen dunklen Körnchen in der Vanilleschote sind nämlich nichts anderes als die Samen einer tropischen Orchidee.
Text/Fotos: umg - Broschüre Rheindeltahaus
Bildnachweis: M Grabher, M Granitza,G Stadler,
D Huber, W Niederer, M Roggo, Vbg Naturschau