vorarlberg.at · Presse · Landespressestelle · Vorarlberg Magazine · Vorarlberg Magazine 2006 · Vorarlberg Magazin Nr. 117/2006
Zwischen Stellenanzeige und Unterschreiben des Arbeitsvertrages steht das Bewerbungsprozedere: schriftliches Bewerbungsschreiben und Lebenslauf, Einladung zum persönlichen Gespräch und das Vorstellungsgespräch an sich. Insbesondere bei diesem persönlichen Gespräch mit dem zukünftigen Chef gilt es einiges zu beachten.
Von Sabine Liebentritt
Fit und gepflegt:
Du bist ausgeschlafen und erscheinst in sauberen Kleidern zum Termin.
Angemessen gekleidet sein und sich in der Kleidung unbedingt wohl fühlen:
Du solltest dich für den zukünftigen Chef nicht „verkleiden“.
Vorbereitet sein:
Pünktlich sein:
Sei lieber 10 Minuten zu früh da, als 3 Minuten zu spät.
Freundlich, höflich und respektvoll sein:
Du zeigst dich als freundlichen angenehmen Menschen, ohne deinem Gesprächspartner dabei übertrieben „Honig ums Maul zu schmieren“.
Eigene Stärken in den Vordergrund stellen und sich aber auch der eigenen Schwächen bewusst sein:
Du hast für eventuelle Schwächen gute Erklärungen parat (zB. für lange Lücken im Lebenslauf), weißt aber vor allem, wie du deine Vorzüge ins rechte Licht rückst.
Immer authentisch bleiben:
Du musst dich für einen Job nicht verstellen.
Alkohol oder Rauchwaren:
Du lehnst Zigaretten oder ein Bier, auch wenn vom Chef angeboten, dankend ab.
Auf die Mimik und Körpersprache bewusst achten:
Du kaust nicht an deinen Nägeln oder scharrst nervös mit den Füßen. Auch das Verschränken der Arme signalisiert unbewusst eine ablehnende Grundhaltung.
Offenheit durch direkten Augenkontakt/Blickkontakt signalisieren:
„Ich habe nichts zu verbergen.“
Selber aktiv sein:
Du bekundest Interesse, hörst aufmerksam zu und stellst aber auch deine eigenen Fragen, die du vorher vorbereitet hast.
Vorsicht bei Schwindeleien und Übertreibungen:
Nicht sagen, du warst zu einem Sprachaufenthalt in England, wenn du kein Wort englisch sprichst.
Am wichtigsten:
Du hast eine positive Einstellung und bist von dir selbst überzeugt. Das bedeutet: „Ich weiß, was ich will und dass ich es kann.“
Nur wer einen Job wirklich will, hat auch die Chance ihn zu bekommen!
Das erste Bewerbungsgespräch
Die 17-jährige Julia hat vor zwei Wochen Bewerbungsunterlagen für eine Lehrstelle abgeschickt. Und dann ist es so weit: Sie ist zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen.
Doch was nun?
Wie verhält sie sich ihrem potenziellen Arbeitgeber gegenüber richtig? Was ist wichtig? Was ist richtig? Was sollte sie vermeiden? Fragen über Fragen.
Julia wird ganz flau im Magen, denn sie daran denkt. Es ist ihr erstes Vorstellungsgespräch überhaupt. Zu gern möchte sie die Lehrstelle als Kommunikationstechnikerin bekommen.
Von Sabine Liebentritt*
Ein bisschen Nervosität ist normal
Es ist Dienstag Morgen. Julia sitzt ein wenig nervös am Küchentisch. Nach Frühstücken ist ihr nicht zu Mute. Im Minutentakt blickt sie auf die Uhr. Neun Uhr – jetzt wird es aber Zeit. Um zehn Uhr muss sie bei Herrn Maier in der Firma sein.
Gute Vorbereitung ist wichtig
Julia hat sich gut auf das Bewerbungsgespräch vorbereitet: Empfehlungsschreiben, Lebenslauf, Foto, Unterlagen über die Firma und ein Zettel mit einigen Stichworten und Fragen fürs Gespräch.
Auch die Wartezeit wird konstruktiv genutzt
Pünktlich acht Minuten vor dem Termin steht sie in der Firma und meldet sich bei der freundlichen Dame beim Empfang an. Die Dame bitte Julia sich kurz zu setzen und zu warten. Julia nutzt die Zeit, ihre Unterlagen durchzublättern, zu überprüfen, ob ihre Kleidung ordentlich sitzt – keine Hundehaare oder Marmeladeflecken darauf zu sehen sind – und tief ein- und auszuatmen, um sich zu entspannen.
Das Piercing in der Nase trägt sie selbstbewusst
Ein Herr Anfang Vierzig mit Brille öffnet nach Minuten die Tür. Er stellt sich Julia als Herr Maier vor. Julia geht offen auf Herrn Maier zu und gibt ihm die Hand. Und dann beginnt das Gespräch: Herr Maier fordert Julia auf, etwas über sich zu erzählen. Das macht sie auch. Sie erzählt über ihre Schulausbildung, über ihre Freizeitaktivitäten, dass sie gerne im Jugendzentrum ehrenamtlich mitarbeitet, dort LAN-Parties mitorganisiert und auch beim Computertraining – alte Computer zerlegen und mit Ersatzteilen neu zusammenbauen – mitmacht.
Charmant, offen, freundlich – und Kleinigkeiten ins rechte Licht rücken
Auch dass sie bei der Schülerzeitung mitgearbeitet hat, erwähnt sie, auch wenn sie praktisch nur einen Artikel geschrieben hat und der nicht mal gedruckt wurde. Das sagt sie natürlich nicht. Beinahe hätte sie vergessen zu erwähnen, dass sie babysittet. Das ist wichtig. Das zeigt Herrn Maier, dass Julia ein verantwortungsvoller und sozialer junger Mensch ist. Dass sie dabei lediglich auf ihren kleinen Bruder aufgepasst hat, tut hier nichts zur Sache.
Talente und Interessen verleihen Profil
„Ich interessiere mich fürs Schreiben und lese sehr viel. Mein Traum ist es, mal einen Roman zu schreiben und den
zu veröffentlichen,“ so rundet Julia ihre Selbstbeschreibung ab. Dann folgen noch ein paar Fragen von Herrn Maier:
Warum sie sich bei der Firma beworben hat? Warum sie glaubt, dass ihr der Lehrberuf Kommunikationstechnikerin Spaß machen könnte? Und ob sie gerne in einem Team arbeitet? Auf die obligatorische Frage von Herrn Maier, ob sie Drogen nehme oder Alkohol trinke, sagt Julia ganz klar nein. Dann bleibt noch ein wenig Zeit, damit Julia ihre Fragen stellen kann. Nach etwa 40 Minuten ist das Gespräch vorbei. Julia bedankt sich und erwähnt abschließend, dass ihr die Firma gefällt und sie das Gefühl hat, hier einen guten Ausbildungsplatz zu haben.
Nach dem Gespräch
Julia ist erleichtert. So schlimm war es doch nicht. Natürlich ist der Schlusssatz von Herrn Maier: „Wir melden uns bei Ihnen.“, nicht sehr befriedigend, aber Julia hat ein gutes Gefühl: Sie hat sich ehrlich ins Zeug gelegt und war charmant, offen, freundlich und hat alle Fragen gut beantwortet. Warten ist also angesagt und eines hat sich Julia fest vorgenommen: Wenn sie trotzdem eine Absage bekommen sollte, dann will sie genau nachfragen warum, damit sie es beim nächsten Mal noch besser machen kann. Denn aufgeben wird sie sicher nicht. Es geht schließlich um ihre Zukunft, um ihr Leben.
* Sabine Liebentritt ist Vertreterin der Offenen Jugendarbeit im Landesjugendbeirat und Geschäftsführerin der KOJE – Koordinationsbüro für Offene Jugendarbeit und Entwicklung (www.koje.at).
Kontakt:
Amt der Landesregierung – Landespressestelle (LageplanFahrplan)
Download:
Die wichtigsten Tipps für das Bewerbungsgespräch (331 kB)
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