vorarlberg.at · Presse · Landespressestelle · Vorarlberg Magazine · Vorarlberg Magazine 2005 · Vorarlberg Magazin Nr. 115/2005
Die Bezauer Schülerinnen und Schüler ...
... zeigen vor allem eines: den Wunsch ...
... nach mehr Freizeitangebot.
Kinder- und Jugendbeteiligung im Rahmen von Zukunftswerkstätten. Vorarlberg soll noch kinderfreundlicher werden. Klar. Doch wie kommt man zu sinnvollen und guten Maßnahmen?
Von Doris Fink und Benno Trütken
Für die Verantwortlichen von „Kinder in die Mitte“ war von Anfang an klar, dass neben Expertinnen und Experten auch Kinder- und Jugendliche eingebunden werden müssen. Zu diesem Zweck wurden mehrere Zukunftswerkstätten organisiert, die im November und Dezember 2004 in Dornbirn und Bezau stattgefunden haben.
Insgesamt waren 51 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 15 Jahren dabei, die intensiv über ihre Gegenwart und Zukunft nachgedacht haben. Das Ziel: Kinder und Jugendliche sollen überlegen, was ihnen an ihrer Situation gefällt, was sie stört und was sie ändern würden. Und zwar in den Bereichen Schule, Familie und Lebensraum.
Kritik, Phantasie, Realität
Die Zukunftswerkstätten in Bezau und Dornbirn hatten folgenden Ablauf: Zu Beginn stand eine „Kritikphase“, in der die Kinder und Jugendlichen einmal ganz klar die Vor- und Nachteile ihres Lebensumfeldes formulieren konnten. In der „Phantasiephase“ fand sich dann Platz für alle Wünsche und Ideen der beteiligten Schülerinnen und Schüler.
In der „Realitätsphase“ sollten sie Anknüpfungspunkte zur Umsetzung dieser Ideen finden. Nach einem anschließenden Gespräch mit Expertinnen und Experten war schlussendlich noch einmal die Frage zu beantworten, was Kinder und Jugendliche denn konkret brauchen.
Die grundsätzlichen Ergebnisse
Grundsätzlich wurde deutlich, dass die Kinder und Jugendlichen bereit sind, sich für ihre Interessen und Bedürfnisse einzusetzen. Sowohl für die Teilnehmenden aus Dornbirn als auch für jene aus Bezau spielt die Möglichkeit, ihre Umwelt aktiv mitgestalten zu können, eine wichtige Rolle. Die Art des Verfahrens hat sich dabei als nützlich erwiesen: Aus den Bewertungsbögen und Gesprächen mit Teilnehmenden wurde augenscheinlich, dass einige unter anderen Bedingungen wahrscheinlich nicht an einem solchen Projekt mitgewirkt hätten.
Zwischen den beiden Zukunftswerkstätten ergeben sich aber auch Unterschiede: Dies beginnt mit dem Stellenwert des Themas Schule. Der Schuldruck und der damit verbundene Veränderungsbedarf wird in Dornbirn höher empfunden als in Bezau. Während die Schülerinnen und Schüler im städtischen Bereich Dornbirns vor allem mehr Freiräume möchten, wurde im Bregenzerwald vorrangig über die geringe Angebotsbreite im Freizeitbereich diskutiert (mehr als Fußball und Skifahren). Im Bregenzerwald spielt im Vergleich zu Dornbirn die Mobilität eine wichtigere Rolle. Im Themenbereich Familie wurden an beiden Standorten keine signifikanten Forderungen geäußert.
„Kinder brauchen die Geborgenheit und Liebe ihrer Eltern, sie brauchen aber auch ein Umfeld, in dem sie sich frei entwickeln können.“
Greti Schmid
Landesrätin
Ergebnisse Bereich Schule
In der Einzelbewertung wurde der Bereich Schule in Dornbirn zwar im Durchschnitt besser benotet als in Bezau, doch die Detailfragen zeigen andere Ergebnisse. Das Verhältnis zu den Lehrpersonen in Bezau scheint besser zu sein als in Dornbirn. Daher dominiert in Bezau der Wunsch nach einem abwechslungsreichen Schulalltag, der weniger von Leistungsanforderungen geprägt ist. In Dornbirn hingegen wird ein stärkerer Handlungsbedarf im Verhältnis Lehrer – Schüler erkennbar.
Ergebnisse Bereich Freizeit
Im Freizeitbereich ging es den Teilnehmenden aus Dornbirn weniger um die Breite des Angebotes, als viel mehr um die Möglichkeit der Mitwirkung. Bei Ergänzungen in der Angebotsbreite sollte vor allem über mehr Angebote für unterschiedliche Altersgruppen und beide Geschlechter nachgedacht werden. Dieser geschlechts- und altersbezogene Aspekt kommt in Bezau noch wesentlich mehr zum Tragen. Hier sind es vor allem die jüngeren Mädchen, denen ein Angebot jenseits des Fußballs fehlt. Sie sind entsprechend auch noch stärker als die Jungen bereit, ein solches Angebot zu unterstützen.
In Bezau brachten einige Kinder und Jugendliche das Gefühl zum Ausdruck, sich im Alltag den Ansprüchen von Tourismus und anderen Gruppen unterordnen zu müssen. So war es für sie wenig nachvollziehbar, dass die Touristen im Sommer (finanziert über die Kurtaxe) gratis den Bus benutzen können, während sie dafür zahlen müssen.
Die positive Veranstaltungsbeurteilung, verbunden mit dem geäußerten Wunsch nach mehr Beteiligung und der Bereitschaft, sich für die Umsetzung der eigenen Ideen zu engagieren, sollte als Anregung dienen, Kindern und Jugendlichen öfter die Chance zu bieten, ihre Meinung einzubringen.
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