vorarlberg.at · Presse · Landespressestelle · Vorarlberg Magazine · Vorarlberg Magazine 2005 · Vorarlberg Magazin Nr. 115/2005
In den Planungszellen erarbeiteten Erwachsene ein Bürgergutachten.

Frau Sandra Bildstein.
Für die meisten eine völlig neue Erfahrung: als Bürger nicht nur Steuern zu zahlen, sondern die Regierung zu beraten, was gemacht werden soll, und auf diese Weise mitzugestalten.
Von Manfred Hellrigl
Die Frage, ob ein Schuh passt oder nicht, kann am besten derjenige beantworten, der ihn tragen soll. Da kann der Schuhverkäufer noch so kompetent sein. Das ist auch die Idee hinter dem Bürgergutachten: Betroffene sollen mitreden können, wie ein Problem gelöst werden soll.
Beim Bürgergutachten zu „Kinder in die Mitte“ haben insgesamt 73 Personen zwischen 17 und 83 Jahren mitgemacht. Sie wurden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und haben für die Arbeit auch eine kleine Aufwandsentschädigung erhalten. In den vier Tagen wurden Informationen zusammengetragen, Fachleute und Interessentenmeinungen gehört und diese Informationen mit den eigenen Lebenserfahrungen verglichen. Zum Abschluss wurden gemeinsam Empfehlungen an die Landesregierung formuliert.
Insgesamt haben die Bürgerinnen und Bürger ungefähr 2.200 Stunden am Gutachten gearbeitet und dabei etwa 250 Wandplakate erstellt und fast tausend Zettel ausgefüllt.
"Die Anliegen von Kindern und Jugendlichen heute schon ernst zu nehmen, ist eine Investition in die Lebensqualität von morgen."
Herbert Sausgruber
Landeshauptmann
Für die Kinder etwas ändern
Als ich die Einladung zum Bürgergutachten bekommen habe, habe ich mich als Bürgerin eigentlich verpflichtet gefühlt, daran teilzunehmen, um die Möglichkeit zu nutzen, für die Kinder etwas ändern zu können. Da ich selber keine Kinder habe, war es für mich sehr interessant zu erfahren, welche Probleme auf Eltern zukommen können und was Kinder eigentlich wollen und brauchen. Das Verfahren hat mir sehr gut gefallen, es war gut aufgebaut und strukturiert. Ich habe mich in der Gruppe, obwohl ich die Jüngste war, von allen Teilnehmern akzeptiert gefühlt. Die Politiker haben Interesse an unserer Meinung gezeigt. Sie haben uns zumindest danach gefragt. Ob sie uns auch ernst nehmen werden, sehen wir ja dann an der Umsetzung. Ich finde es sehr wichtig, dass die Bürger zu bestimmten Themen befragt werden, denn schlussendlich geht es auch um sie.
Liane Contratti (Bregenz)
Als Bürgerin selber mitgestalten
Ich habe mich von dem Thema „Kinder in die Mitte“ sehr angesprochen gefühlt, da ich selber ein Kind habe und sehr begeistert war von der Idee, als Bürgererin selber mitgestalten zu können. Damit mir die Teilnahme am Bürgergutachten möglich war, hat sich mein Mann zwei Tage frei genommen, um die Betreuung unseres Sohnes zu übernehmen, an den anderen zwei Tagen war die Oma für ihn da. Das Interessante an dem Verfahren war, dass trotz der Vielzahl an unterschiedlichen Persönlichkeiten und dem hohen Altersunterschied in der Gruppe immer eine gemeinsame Lösung gefunden wurde, in der sich jeder mit seiner Meinung wieder erkannt hat. Im Laufe der vier Tage wurde uns auch immer wieder bewusst, wie viele Einrichtungen und Angebote es rund um die Familie vom Land Vorarlberg, Vereinen und anderen Institutionen schon gibt, die Information darüber uns aber noch nie erreicht hat. Ich habe mich in der Rolle als Bürgergutachterin sehr wichtig und als Bürgerin ernst genommen gefühlt.
Sandra Bildstein (Lauterach)
Für jeden Bürger eine Herausforderung
Das Bürgergutachten ist eine sehr gute Initiative, nicht oft bekommt der Bürger die Möglichkeit, seine Meinung einzubringen. In den vier Tagen wurden von den Teilnehmern sehr viele Meinungen und Ideen eingebracht, die auf Grund der Vielzahl leider nicht alle in den Leitlinien und Endprojekten verarbeitet werden konnten. In unserer Planungszelle waren leider keine Jugendlichen vertreten, sie haben als wichtige Komponente für die Ideengenerierung und Meinungseinbringung gefehlt. Die Teilnahme war für mich sehr informativ, auf Grund einer persönlichen Erfahrung konnte ich mich zum Thema „Kinder in die Mitte“ sehr gut einbringen. Die Teilnahme ist für jeden Bürger eine Herausforderung, ob sie angenommen wird oder nicht, muss jeder selbst entscheiden; ich jedoch kann die Teilnahme jedem, der die Möglichkeit hat, weiterempfehlen.
Werner Mathis (Bregenz)
Einbringung von gesundem Menschenverstand
Ich bin der Einladung zum Bürgergutachten mit sehr großer Neugierde gefolgt, war es doch etwas, das ich bis dahin noch nicht gekannt habe. Ich bin der Meinung, wenn ich die Möglichkeit und Zeit habe, für die Allgemeinheit etwas Positives zu tun, dann sollte ich das auch. Die Vorträge der Fachleute sowie die anschließenden Diskussionen waren eine sehr interessante Vorgehensweise, sich dem Thema „Kinder in die Mitte“ zu nähern. Die Inhalte des Bürgergutachtens waren meiner Meinung nach etwas zu breit gefasst, das spiegelt sich auch in den Ergebnissen wider, die nach meinem Geschmack etwas zu unpräzise sind. Von fachlicher Seite wäre die Politik sicher mit Experten besser beraten, wenn es ihnen jedoch um die Einbringung von gesundem Menschenverstand geht, so mache ich das natürlich gerne.
Werner Feistritzer (Dornbirn)
Kontakt:
Amt der Landesregierung – Büro für Zukunftsfragen (LageplanFahrplan)
Download:
Als Bürger mitgestalten (292 kB)
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