vorarlberg.at · Presse · Landespressestelle · Vorarlberg Magazine · Vorarlberg Magazine 2005 · Vorarlberg Magazin Nr. 114/2005

1985: Mit der "Zauberflöte" beginnt eine neue Ära der Bregenzer Festspiele.
1986: Landesbibliothek übersiedelt ins Bregenzer Gallusstift.
Sie waren einer der ersten österreichischen Politiker, der sich nachdrücklich für einen Beitritt Österreichs zum damaligen Europäischen Wirtschaftsraum EWR ausgesprochen haben. Was war Ihre Motivation für diese Vorreiterrolle?
„Die große Koalition hatte in den 80er Jahren das Verhältnis Österreichs zur damaligen EWG mit ‚Global Approach‘ – also einer Annäherung ohne Beitritt – festgelegt. Kommissionspräsident Delors lehnte diese Haltung ab: man kann nicht ‚drinnen und draußen‘ zugleich sein. Für mich war die Europäische Gemeinschaft primär eine Friedens-, Kultur- und Wertegemeinschaft, vor allem auch aus den persönlichen Erlebnissen der Jahre 1944/45. Aus meiner Tätigkeit in der Privatwirtschaft wusste ich um die Notwendigkeit der Wahrung der Chancen für die österreichische Wirtschaft durch volle Teilnahme an der Wirtschaftsgemeinschaft. Als Landeshauptmann hatte ich dann die große Chance, an einer Neuorientierung der Europapolitik mitzuwirken.“
Wie kam es zu Ihrer Nominierung als Vorsitzender der Europa-Kommission der ÖVP?
„Bei der ersten Landeshauptleutekonferenz, an der ich nach meiner Wahl teilnehmen konnte, setzte ich gemeinsam mit meinem Salzburger Kollegen Haslauer eine Resolution durch, mit der die Bundesregierung aufgefordert wurde, die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen anzustreben. An der Jahreswende 1987/88 wurde ich nach einem heftigen Diskurs mit dem damaligen Wirtschaftsminister Graf von Parteiobmann und Vizekanzler Mock mit der Bildung einer Europakommission beauftragt, die alle Vor- und Nachteile ermitteln und eine Empfehlung abgeben sollte. In einer Vielzahl von Arbeitskreisen mit mehr als 100 Experten wurden die Für und Wider analysiert und das Ergebnis in einer großen Europa-Konferenz im April 1988 in der Hofburg in Wien präsentiert: Die Vorteile überwogen eindeutig. Es dauerte noch ein Jahr, bis am 13. Juli 1989 der berühmte Brief nach Brüssel mit dem Ersuchen um Beitrittsverhandlungen versandt wurde. Ein bezeichnendes Detail am Rande: Im Frühjahr 1988 wurde ich zur Sowjetischen Botschaft vorgeladen, wo ich mit heftigsten Vorwürfen über meine ‚der Neutralität widersprechende Europapolitik‘ konfrontiert wurde.“
Die letzten Stunden der Beitrittsverhandlungen in Brüssel waren besonders dramatisch. Sie waren dabei. Was waren die großen Knackpunkte?
„Am 1. März 1994, knapp nach 22 Uhr waren die über 40-stündigen Marathonverhandlungen beendet. Mehrmals standen die Verhandlungen vor dem Abbruch, insbesonders die Fragen Transit, Ferienwohnungen, Landwirtschaft und andere Stolpersteine führten zu turbulenten Diskussionen. Der Europazug schien ohne Österreich abzufahren, als die Schweden zustimmten und die Norweger mit Theaterdonner auszogen. Der Poker ging weiter. Neuer psychologischer Tiefschlag: Die Finnen haben abgeschlossen, der Termin ‚Ende Februar‘ war abgelaufen, als man sich zum Anhalten der Uhren entschloss. Endlich gelang der Durchbruch. Es war 1. März, fast Mitternacht, als die offizielle Abschlusszeremonie erfolgte. Der Vorsitzende, der griechische Minister Pangalos, erklärte die Verhandlungen mit Österreich als abgeschlossen und hielt dann eine Begrüßungsansprache in Altgriechisch, für die es keinen Dolmetscher gab. Mock bedankte sich und schilderte in seiner Rede, welche Werte Österreich in die EU einbringen kann. Das war für mich das berührendste politische Erlebnis meines Lebens. Bei der österreichischen Delegation schämten sich viele nicht ihrer Tränen. Als Mock die Rede beendet hatte, erhoben sich spontan alle Ratsmitglieder und spendeten minutenlangen Applaus; ein Ereignis, das es zuvor noch bei keinem Beitrittskandidaten gegeben hatte."
Kontakt:
Amt der Landesregierung – Landespressestelle (LageplanFahrplan)
Download:
Ein überzeugter Europäer (70 kB)
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