vorarlberg.at · Presse · Landespressestelle · Vorarlberg Magazine · Vorarlberg Magazine 2004 · Vorarlberg Magazin Nr. 112 / 2004
Die Welt der Kindern im Blick.
Landesrätin Schmid: "Wir wollen den Familien viel Lebensqualität bieten, denn das veränderte Bild der Familie stellt uns vor neue Herausforderungen."
Wie kinderfreundlich ist unsere Gesellschaft? Die Welt der Kinder ist das beste Gegengewicht zur rationalen Erwachsenenwelt. Durch die Kinder stellen wir fest, dass es mehr gibt als den ständigen Kampf um mehr Geld und mehr Ansehen. Von einer kinderfreundlichen Gesellschaft profitieren wir alle. Im Mittelpunkt der neuen Kampagne des Landes stehen die Kinder.
Von Angelika Böhler
In der Kampagne „Kinder, fertig, los!“ kommen Kinder aus ganz Vorarlberg zu Wort, gleichzeitig werden die vielfältigen Familienleistungen des Landes, aber auch die verschiedenen Lebenssituationen von Kindern aufgezeigt.
Dazu ein Interview mit Landesrätin Greti Schmid.
Warum sehen Sie gerade in den Kindern den Schlüssel zu einer erfolgreichen Entwicklung unserer Gesellschaft?
Heute stehen vielfach andere Bedürfnisse im Vordergrund – die Situation der Frau, der Wirtschaft, der persönlichen Weiterentwicklung; aber fast niemand fragt, wie geht es eigentlich den Kindern dabei? Wir müssen viel mehr auf die Kinder schauen, damit sie angesichts dieser rasanten Weiterentwicklung und Umstrukturierung sowie familiären
Veränderungen nicht auf der Strecke bleiben.
Die ideale Familie ist längst nicht mehr das, was sie einmal war. Wie kann die Politik darauf reagieren?
Es wäre falsch dies zu ignorieren und die heile Welt zu predigen. Wir müssen auf die geänderten Verhältnisse eingehen und schauen, dass die „Schwächsten“ in ihrem Leben nicht zu kurz kommen – und das sind die Kinder. Die Politik ist gefordert, mit Rahmenbedingungen und Maßnahmen die Kinder konkret zu unterstützen und den Familien den Rücken zu stärken. Dies ist auch ein Schwerpunkt in meiner Arbeit.
In den letzten Jahren hat sich viel getan. Kinderbetreuungen sind wie die berühmten Pilze aus dem Boden geschossen. Wird es in diesem Tempo weitergehen?
Wenn ein Bedarf vorhanden ist und die Kriterien laut unseren Richtlinien passen, stellen wir die finanziellen Mittel zur Verfügung. Mit dem weiteren bedarfsgerechten Ausbau von Kinderbetreuungen im ganzen Land versuchen wir gemeinsam mit den Gemeinden den berufstätigen und auch den alleinerziehenden Müttern den Spagat zwischen Familie und Beruf zu erleichtern. Aber auch für Familien mit Einzelkindern sind die frühen sozialen Kontakte in Spielgruppen sehr wertvoll.
Viele Frauen – etwa im Bregenzerwald – können gar nicht an Arbeit denken, weil die Kinderbetreuungen nicht entsprechen. Braucht es nicht zuerst ein Angebot, statt auf den Bedarf zu warten?
Für eine Betreuungseinrichtung braucht es ein Minimum an Kindern. Für zwei Kinder können wir keine eigene Kinderbetreuung einrichten. In diesem Fall bietet sich eine Tagesmutter an. Aber wir sind auf einem guten Weg. Dies zeigen auch die erfreulichen Steigerungen der letzten Jahre sowohl was die Plätze als auch das Budget anbelangt. Weiters haben wir inzwischen im ganzen Land Spielgruppen und daraus entwickeln sich auch oft Kinderbetreuungseinrichtungen. Immerhin ist ein Drittel der Mütter von Spielgruppenkindern berufstätig oder will wieder einsteigen. Da ist derzeit viel in Bewegung, auch im Bregenzerwald.
Glauben Sie, dass bei uns mehr Kinder auf die Welt kämen, wenn die Kinderbetreuungen noch weiter ausgeweitet werden – wie etwa in Frankreich?
Man weiß aus Untersuchungen, dass die Entscheidung für ein Kind zu 25 Prozent von der Möglichkeit der Vereinbarkeit abhängt. Hauptgründe, dass sich Familien für Kinder entscheiden sind ein gutes soziales und familiäres Umfeld und eine solide Beziehung. Es wäre verkürzt, zu sagen, mehr Kinderbetreuungen bringen automatisch mehr Kinder. Es braucht mehr – nämlich eine kinderfreundliche Gesellschaft.
"Wir brauchen eine kinderfreundliche Gesellschaft“.
Greti Schmid
Landesrätin
Ein Blick in die Zukunft. Wenn man den Demographen glauben darf, gibt es künftig mehr Ehepaare ohne Kinder, mehr Alleinerziehende und es wird weniger oft geheiratet. Welche Chancen hat die „normale“ Familie mit Kindern in Zukunft?
Ich hoffe, dass sie ihre Chance wahrnimmt. Die Politik kann kinder- und familienfreundliche Rahmenbedingungen schaffen. Ziel muss eine Bewusstseinsänderung sein – nämlich, dass Kinder nicht lästig sind und Geld kosten, sondern uns sehr viel positive Emotionen bringen und eine große Bereicherung im Leben sind. Die Bereicherung durch ein Kind ist um vieles größer als die Einschränkung.
Wir brauchen ein kinderfreundliches Klima in unserem Land. Neben den bisherigen Maßnahmen möchten wir mit unserer Kampagne „Kinder, fertig, los!“ einen weiteren wichtigen Beitrag für unsere Kinder und Familien leisten.
Danke für das Gespräch.
Kontakt:
Amt der Landesregierung – Landespressestelle (LageplanFahrplan)
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