vorarlberg.at · Presse · Landespressestelle · Vorarlberg Magazine · Vorarlberg Magazine 2002 · Vorarlberg Magazin Nr. 105 / 2002
Bodenseeufer in Hard, Hochwasser 1999 - Pumpstation Fischteich 2002.

Illmündung in Feldkirch und Meiningen, Hochwasser 1999 - Sohlrampe mit Umgehungsrinne im Bauzustand, April 2002.
Litz und Frallefrunertobel in Schruns und Bartholomäberg, Hochwasser 1999 - Regulierung, Oktober 2001.
Spatenstich für den Polderdamm bei Fußach im Februar 2001.
Jahrhunderthochwasser 1999. Im Mai 1999 traten in Vorarlberg zwei extreme Hochwasserereignisse auf. Seitdem wurden zahlreiche langfristige Maßnahmen zur Verbesserung des Hochwasserschutzes umgesetzt. An mehreren kritischen Gewässerabschnitten wurden diese inzwischen erfolgreich abgeschlossen.
Von Günther Lins
Nach einem niederschlagsreichen Herbst und einem Winter mit überdurchschnittlichen Schneemengen gab es im Mai 1999 die höchsten Tagesniederschläge seit Messbeginn (!). Die Niederschlagssumme von 19. bis 22. Mai betrug an vielen Orten über 300 Millimeter!
Die Folgen: Hochwasser-Alarm am Bodensee – Ausuferungen des Bodensees und der Flüsse führten vielerorts zu großflächigen Überschwemmungen sowie zu Muren und Erdrutschen.
Hochwasser-Alarm, Muren und Erdrutsche
An der Bregenzerach trat am 21. Mai 1999 eine zuvor noch nie gemessene Abflussspitze von 1090 Kubikmeter pro Sekunde auf, die einem 100-jährlichen Hochwasserereignis entspricht. Der höchste Abfluss am Rhein erreichte dagegen maximal 1800 Kubikmeter pro Sekunde, was einem fünfjährlichen Hochwasser entspricht. Hier wirkte sich die Schneefallgrenze in ungefähr 2000 Metern Höhe dämpfend auf die Hochwasserspitze aus. Der bereits stark gesättigte Boden konnte kaum Wasser aufnehmen.
Die Folge waren große Abflussmengen sowie zum Teil großräumige Überschwemmungen. Im ganzen Land waren Ortschaften von Muren und Erdrutschen betroffen, Brücken wurden zerstört, Evakuierungen mussten vorgenommen, Verkehrslinien gesperrt werden.
Durch den Anstieg des Bodensees an den Jahrhundert-Höchstwert (397,81 Meter über Adria) wurden die Innenstadt in Bregenz sowie große Wohngebiete in Hard überflutet. Extreme Grundwasserhochstände gefährdeten zudem Objekte.
„Nur durch die große Vorarlberger Solidarität konnten wir gemeinsam die dramatischen Situationen bewältigen.“
Herbert Sausgruber
Landeshauptmann
Sofortmaßnahmen und langfristige Projekte
Als Sofortmaßnahme wurden am Bodenseeufer polderartige Eindämmungen zum Schutz des Siedlungsraumes errichtet. Der unmittelbare Hochwassereinsatz an Fließgewässerstrecken musste auf die Wiederherstellung der Abflusskapazität und der Stabilität des vorhandenen Abflussprofiles begrenzt werden.
In der Folge wurden vorhandene Ausbauprojekte adaptiert, um diese Gewässerstrecken den neuesten Erkenntnissen der Schutzwasserwirtschaft anzupassen, neue Regulierungsprojekte wurden erstellt, zum Beispiel an der Ill bei Frastanz und Göfis.
Einige größere Schutzwasserbaumaßnahmen konnten bereits abgeschlossen werden, so etwa die Sohlrampe an der Illmündung, die Profileintiefung in der Stadtstrecke der Ill von Feldkirch sowie Bauabschnitte für den Hochwasserschutz im Rheindelta, in Hard und Bregenz.
Schutzwasserbudget um 70 Prozent erhöht
Der Schutzwasserbau wurde in der Folge stark ausgeweitet – im Jahresdurchschnitt um 70 Prozent erhöht! Seit 1999 werden dafür rund 7,3 Millionen Euro pro Jahr investiert. Dabei sind die umfangreichen wildbachtechnischen Verbauungsmaßnahmen noch gar nicht berücksichtigt.
Vom Forsttechnischen Dienst der Wildbach- und Lawinenverbauung wurden zudem große Leistungen in die Verbauung von Wildbächen (Frallefrunertobel, Lavadilbach in Bartholomäberg und viele mehr) sowie Rutschhangsanierungen im ganzen Bergland (zum Beispiel am Rindberg in Sibratsgfäll) erbracht.
Vorarlberger Solidarität
Als 1999 große Schneemengen bzw. Niederschläge Lawinenabgänge, Hochwasser, Muren und Erdrutsche verursachten, haben in Vorarlberg viele Menschen bei der Schadensbekämpfung Großartiges geleistet. LH Sausgruber erinnert an das sehr gute Zusammenwirken von Experten und Ehrenamtlichen, von Feuerwehr, Exekutive, Bundesheer, Bergrettung, Rotem Kreuz, Wasserrettung, Sachverständigen des Landes und Bundes, sowie vielen Helfern in den Gemeinden, in Firmen und Vereinen.
Forsttechnischer Dienst für Wildbach und Lawinenverbauung Vorarlberg
Andreas Reiterer
Rheinstraße 32/4, A-6901 Bregenz
Telefon: +43(0)5574/74995
Kontakt:
Wasserwirtschaft – Fördermanagement (LageplanFahrplan)
Download:
Das Jahrhunderthochwasser 1999 und die Folgen (194 kB)
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