vorarlberg.at · Presse · Landespressestelle · Vorarlberg Magazine · Vorarlberg Magazine 2002 · Vorarlberg Magazin Nr. 103 / 2002
Zufluchtstätte für missverstandene Jugendliche – die betreute Wohngemeinschaft des IfS in Lustenau.
Familie Walter und Erika Dich aus Partenen mit Kindern und Oma.
Stefan Allgäuer
Geschäftsführer der IfS-Beratungsstellen
Familienkrisen. Die Kinder quengeln, der Mann hat Ärger am Arbeitsplatz, die Frau ächzt unter Doppelbelastung von Familie und Haushalt. Und eine Menge Schulden drücken auch noch. Oft sind es aber auch schon Kleinigkeiten, die die heile Welt aus den Fugen bringen. Doch für Familien in der Krise steht in Vorarlberg ein breites Netz an Beratungsangeboten zur Verfügung. Von Franz Abbrederis
Maria feiert heuer ihren 30-er. Obwohl: So richtig zum Feiern ist ihr nicht zumute. Vor zehn Jahren, da war das anders. Da war die Welt noch in Ordnung. Sie hatte gerade ihren Heinz kennen gelernt. Ein Jahr später kam die Hochzeit, dann ein Sohn und kurz darauf das Töchterchen. Dazwischen der Hausbau. Alles war perfekt. Doch dann verlor ihr Mann für ein halbes Jahr den Job und die Familie geriet mit den Schuldenzahlungen in Rückstand. Jetzt hat Heinz zwar einen neuen Arbeitsplatz – doch auch jede Menge Ärger. Nach den vielen unbezahlten Überstunden spült er seinen Frust im Gasthaus hinunter. Maria hat mit zwei Kindern, einem Halbtagsjob und dem Haushalt mehr als genug zu tun. Und jetzt macht auch noch Sohn Leo Probleme: Er hat schon ein paar Mal in der Schule gefehlt. Unentschuldigt. War mit Kumpels in der Stadt.
„Wir versuchen, die Lösungen möglichst gemeinsam mit der ganzen Familie zu erarbeiten."
Stefan Allgäuer
IfS-Geschäftsführer
Breite Unterstützung
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts für Sozialdienste (IfS) kennen die Nöte der Vorarlberger Familien genau. Die Probleme sind vielfältig – entsprechend breit ist auch das Hilfsangebot: Schuldenberatung, Erziehungsberatung, Paarberatung, Psychotherapie und vieles mehr.
Erste Anlaufstellen sind in jedem Fall die IfS-Beratungsstellen, die es in Bregenz, Dornbirn, Hohenems, Feldkirch, Bludenz und Andelsbuch gibt. Völlig anonym sind die Fachleute über die Internetberatung von IfS und Vorarlberg Online unter ifs-beratung.vol.at zu erreichen. Antwort gibt’s dort binnen 24 Stunden.
Rechtzeitig Hilfe suchen
Vom IfS betreut werden sowohl Kinder als auch Jugendliche und Erwachsene – und immer öfter auch ganze Familien. „Früher haben wir uns entweder mit den Kindern oder mit den Eltern beschäftigt. Heute versuchen wir, die Lösung möglichst gemeinsam mit der ganzen Familie zu erarbeiten", schildert IfS-Geschäftsführer Stefan Allgäuer. Dabei sei es egal ob es sich um eine Familie mit Vater, Mutter und Kindern handelt, ob eine Alleinerziehende mit Kindern Hilfe sucht oder gar eine Pflegefamilie.
Wichtig sei vor allem „sich rechtzeitig Hilfe zu holen, bevor es zum Crash kommt", appelliert Allgäuer. Er weiß aus der Praxis: „Oft braucht es nur einen Anstoß von außen, damit man den Weg aus der Krise findet."
Beratungsstellen für Menschen in Krisen und Not
Stefan Allgäuer
Geschäftsführer der IfS-Beratungsstellen
Zu hohe Ansprüche
Einen Grund für die wachsende Inanspruchnahme der Beratungsstellen sieht der IfS-Geschäftsführer in den immer höheren Ansprüchen, die die Menschen an sich selber haben: „Von den Medien werden laufend Idealbilder dargestellt. Denen kann keine Familie wirklich gerecht werden."
Dass sich die Beziehungen innerhalb der Familie verändern, werde oft als Scheitern erlebt. Dabei sei das „nicht ein Zeichen des Scheiterns, sondern ein Zeichen der Normalität", formuliert Allgäuer. Bei Kindern, die ja sichtbar heranwachsen, wird das als normal akzeptiert. Aber auch die Bedürfnisse der Erwachsenen verändern sich im Laufe der Jahre. Allgäuer: „Man wächst miteinander – und manchmal eben auch auseinander."
Hilfe aktiv anbieten
Problematisch wird die Sache in noch schwierigeren Situationen: Dann fehlt Familien oft die Kraft, selbst aktiv zu werden und Hilfe zu suchen. Wenn Nachbarn, Kindergarten, Schule oder der Arzt Alarm schlagen, greift die Jugendwohlfahrt ein. Sie beauftragt Sozialeinrichtungen, die dann aktiv auf diese Familien zugehen: In den Bezirken Bregenz und Dornbirn der Ambulante Familiendienst des Vorarlberger Kinderdorfes und in den Bezirken Feldkirch und Bludenz die IfSFamilienarbeit.
Auffangnetz des Landes
Das Land Vorarlberg hat in dieses Auffangnetz in den vergangenen zehn Jahren großzügig investiert: „Immerhin wurden rund 30 neue Planstellen geschaffen – das war sicher eine der größten Sozialeinrichtungen, die in den letzten Jahren aufgebaut wurde", so der Leiter der IfS-Familienarbeit Hubert Löffler.
„Bei der Familienpolitik steht für uns das Wohl der Kinder im Vordergrund."
Herbert Sausgruber
Landeshauptmann
Lösungen suchen
„Wir fangen an, wenn’s nicht mehr weitergeht", bringt Löffler die Tätigkeit der IfS-Familienarbeit auf den Punkt. Seine 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betreuen derzeit 150 Familien. Armut, Beziehungsprobleme, Isolation, Gewalt, Alkohol, Drogen – das sind die häufigsten Probleme. Doch trotz dieser hoffnungslos erscheinenden Mischung können immerhin 90 Prozent der Kinder bei ihren Eltern bleiben. Die Eltern erhalten Unterstützung, etwa bei der Schuldenregulierung, bei der Suche nach Babysittern und Kindergartenplätzen oder beim Organisieren von Nachhilfeunterricht für die Kinder.
„Netz für Kinder"
Aber auch die Kinder selbst werden in zwei Kindergruppen sowie von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betreut, die unter anderem durch das „Netz für Kinder" finanziert werden. Der Erfolg kann sich sehen lassen. Löffler: „Oft hören wir am Anfang von den Leuten: ‚Mir kann man eh nicht helfen.’ Aber nach ein paar Monaten sind sie dann wirklich motiviert, weil sie merken, dass unsere Arbeit ihnen etwas bringt."
Familienhilfe durch Familienhelferinnen
Kontakt:
Amt der Landesregierung – Landespressestelle (LageplanFahrplan)
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