Bodenseefischerei:
Die Zahl der österreichischen Berufsfischer/-fischerinnen ist mit 14 (davon 12 hauptberuflich) unverändert im Vergleich zum Vorjahr geblieben.
Die Jahresmittelwerte an Gesamtphosphor im Bodensee-Obersee haben einen für große oligotrophe Alpenseen typischen Bereich erreicht und schwankten in den letzten 3 Jahren um 6 µg/l. Der Fangertrag der Berufsfischer lag im Jahr 2011 mit 95,8 Tonnen seit 1997 erstmals wieder über dem Mittel der vorangegangenen 10 Jahre und 22 % über dem Vorjahresergebnis. Dies ist der höchste Wert seit 2003 (111,7 Tonnen). Damit setzt sich die wellenförmige Ertragskurve mit einer Periode von 5-7 Jahren auf niedrigerem Niveau fort. Ausschlaggebend für das überdurchschnittliche Ergebnis sind in erster Linie die guten Felchenfänge. Die Fangerträge dieser Hauptfischart der Berufsfischerei am Bodensee haben seit 2007 stetig zugenommen und lagen mit 70 Tonnen noch einmal 6 Prozent über dem Vorjahresergebnis, obwohl die Bestimmungen hinsichtlich der erlaubten Anzahl, Maschenweite und Einsatzdauer der Felchennetze nicht geändert wurden. Die Fänge verteilten sich gleichmäßig auf den Zeitraum zwischen Ende April und dem Ende der Saison Mitte Oktober, ohne dass es zu Massenfängen gegen Ende des Sommers kam. Der Ausfang an Flussbarschen betrug 13,3 Tonnen und übertraf damit den Negativrekord vom Vorjahr mit 2,5 Tonnen um ein Mehrfaches. Dieser Wert liegt deutlich über dem Zehnjahresmittel von 9,7 Tonnen und etwa auf dem Niveau des Barschertrages im Jahr 2008.
Eine Steigerung um 130 Prozent war bei den Seesaiblingen zu verzeichnen. Der Bestand dieser an saubere, kühle Alpenseen angepassten Fischart nimmt erfreulicherweise weiter zu. Der Bodensee-Seesaibling ist zudem besonders großwüchsig und ein begehrter Speisefisch. Bei Brachsen und den übrigen Weißfischen wurden wieder größere Mengen als in den letzten Jahren angelandet. Der Ausfang an Aalen erreichte dagegen mit 250 kg den geringsten Wert seit 1970. Die Fangerträge bei Zander und Hecht blieben etwa auf demselben Niveau wie 2010. Der Trend beim Karpfen ist seit dem Maximum im Jahr 2007 (2,7 t) infolge der erfolgreichen natürlichen Reproduktion im Jahrhundertsommer 2003 weiter rückläufig auf niedrigem Niveau (200 kg).
Die beiden Sportfischereivereine, die den See zwischen der Mündung der Bregenzerach und dem Alten Rhein bewirtschaften, gaben insgesamt 3.365 Jahreskarten und 3.570 Tageskarten an Angler aus. Dies bedeutet bei den Jahreskarten eine nur geringfügige Erhöhung um 30 Karten im Vergleich zum Vorjahr (FV Rheindelta). Gleichzeitig behielten die Fischereivereine das bisherige niedere Preisniveau bei den Jahreskarten bzw. den Mitgliedsbeiträge unverändert bei. Bei den Tageskarten gab es einen Anstieg um rund 300 Karten im Vergleich zum Vorjahr, der sich aus einem Rückgang um rund 100 Tageskarten in Hard und einem Plus von rund 400 Tageskarten beim FV Rheindelta ergibt.
Der Ausfang seitens der Angelfischerei konzentriert sich auf Barsche, Weißfische, Felchen, Hechte und Zander. Mit rund 8,2 Tonnen war es wieder ein gutes Fangjahr bei den Barschen (immerhin das 7-fache des außergewöhnlich schlechten Ergebnisses des Vorjahres). Bei den Felchen wurde mit 3,4 Tonnen der höchste bisher registrierte Fang erzielt. Daneben wurden Seeforellen und zunehmend Seesaiblinge gefangen. Insgesamt belief sich der Ausfang der Angelfischerei im Berichtsjahr auf rund 22 Tonnen. Besonders spektakulär waren die Fänge von 2 kapitalen Welsen (2,18 m und 2,40 m) vor der Rheinvorstreckung im August.
Am Standort der bisherigen Brutkolonie des Kormorans im Naturschutzgebiet Rheindelta wurden im Jahr 2011 Brutversuche abgebrochen, ohne dass die bewilligten Vergrämungsmaßnahmen zum Einsatz kamen. Die Brutkolonie im benachbarten Eriskircher Ried ist dagegen sprunghaft auf 261 Brutpaare angewachsen. Der Prädationsdruck in der Fußacher Bucht war während der Laichzeit der relevanten Fischarten im Frühjahr daher im Vergleich zu den Vorjahren entsprechend gering; im Herbst nächtigten jedoch in der Bucht Trupps von mehreren hundert Jungvögeln und jagten intensiv im Naturschutzgebiet.
Binnenfischerei:
Im Berichtsjahr wurden anhand der neu eingeführten Fischereistatistik erste Auswertungen für das Vorjahr durchgeführt. Demnach waren in den 75 Fließgewässerrevieren und an den 62 als Fischereireviere ausgewiesenen stehenden Gewässern rund 3.000 Jahreskartenfischer aktiv. Darüber hinaus wurden rund 18.000 Tageskarten ausgegeben – der Großteil davon (15.600) an den stehenden Gewässern.
Der gemeldete Jahresausfang von 124.000 Fischen wurde mit Abstand von der Regenbogenforelle dominiert: rund 92.000 Stück oder ca. 35 Tonnen, wobei beinahe 90 % dieser Fische aus der „put- and take“- Fischerei (Besatz von fangfähigen Fischen) an den Bagger- und Stauseen stammten. An den Fließgewässern wurde dagegen der überwiegende Teil (82 %) der insgesamt 23.500 Bachforellen (rund 9 Tonnen) gefangen. Mit großem Abstand an dritter Stelle mit 2.700 Stück oder rund 0,9 Tonnen bereits weit abgeschlagen lag der Ausfang an Saiblingen. Das Fangergebnis, das bei den zum Laichgeschäft den Alpenrhein aufwandernden Felchen erzielt wurde, belief sich auf 1.219 Stück.
An den Binnengewässern in Vorarlberg übertrifft laut Statistik der Besatz den Ertrag deutlich. Demnach wurden rund 41 Tonnen 2- und mehrsömmrige Regenbogenforellen und rund 20 Tonnen Bachforellen in die Gewässer eingesetzt. Der Schwerpunkt lag im Falle der Regenbogenforellen mit 79 % ebenfalls wieder bei den künstlichen Seen, die Bachforellen wurden zu 92 % in Fließgewässer ausgesetzt. Weiters wurden noch rund 1,3 Tonnen Bachsaiblinge, 850 kg Karpfen und 750 kg Zander in die Binnengewässer eingesetzt.
Darüber hinaus erfolgte von Seiten des Landesfischereizentrums ein Besatz mit vorgestreckter Brut und einsömmrigen Fischen vornehmlich zur Bestandstützung gefährdeter Arten, wie Seeforelle und Äsche (s. u.)
Der Fischereiverband für Vorarlberg vertritt als Interessensvertretung insgesamt rund 5.530 Jahreskartennehmer aus über 30 Vereinen - also rund 87 % der registrierten 6.365 Jahreskartenfischer. Der Fischereiverband nimmt u. a. auch die Aufgabe der Aus- und Weiterbildung der Angelfischer wahr. So nahmen im vergangenen Jahr rund 220 Personen an den Grundausbildungskursen teil, die in Bludenz, Hohenems und Wolfurt angeboten werden. Das Interesse an diesen Kursen ist ungebrochen, die Kurse sind immer ausgebucht. Davon abgesehen wurde 2011 auch wieder ein Aufseherkurs abgehalten. Dieser Kurs und die Prüfung werden in Zusammenarbeit des Ausbildungsteams des Fischereiverbandes mit dem Amt der LReg, Abteilung Landwirtschaft (Va) durchgeführt.
Von den Mitarbeitern des Fachbereiches II, Fischerei und Gewässerökologie, wurden im Berichtsjahr gemeinsam mit dem Fischereiverband die Broschüre und das Poster der Reihe „Fische und Krebse in Vorarlberg“ überarbeitet, mit neuen Bildern ergänzt, auf den neuesten Stand gebracht und neu aufgelegt. Nunmehr wurde auch der Gefährdungsgrad anhand der aktuellen Roten Liste für Vorarlberg in die Darstellungen mit aufgenommen.
Die Erstellung von Gutachten im Bereich Fischökologie und Fischereiwirtschaft und die Teilnahme an Wasserrechtsverhandlungen binden einen Großteil der personellen Ressourcen des Fachbereiches - mit weiter zunehmender Tendenz. Rund 300 Stellungnahmen und Gutachten wurden verfasst. Größere Themen in diesem Aufgabenbereich waren die Entschädigung der Fischerei für die Baumaßnahmen an der Bregenzerach in den vergangenen Jahren, das Bewilligungsverfahren für das Kraftwerk Illspitz, das geplante Feststoffmanagement der Speicher in Rodund und Raggal, der Bauabschnitt 3 bei Frastanz an der Ill, der Hochwasserschutz am Rheintalbinnenkanal, der Schutzwasserbau an der Bregenzerach in Au, das Projekt zur Aufweitung der unteren Lutz und viele mehr.
Die Fischaufstiegshilfen an der Ill in Rodund und Partenen wurden auf ihre Funktionsfähigkeit hin überprüft, an der Fischaufstiegshilfe am Kraftwerk Hochwuhr wurde eine neu installierte Videoüberwachungsanlage getestet und optimiert. Weiters waren die beiden Sachverständigen im Fachbereich in die laufenden Gewässerentwicklungskonzepte an der Ill, der unteren Bregenzerach und der Leiblach eingebunden und begleiteten mehrere Projekte des Schutzwasserbaus, sowie das erste aus Mitteln des Umweltförderungsfonds finanzierte Revitalisierungsprojekt am Harder Dorfbach.
Im Rahmen der Gewässerzustandsüberwachung (Beobachtungszeitraum 2010 -2012) wurden an 13 Messstellen quantitative Fischbestandsaufnahmen zur Bestimmung des fischökologischen Zustandes durchgeführt, darunter Mellenbach, Bolgenach, Pfisterbach, Rickenbach, Breitach und Leiblach.
Eine Reihe von Gutachten wurde im Zuge der Überprüfung von Fischteichen und der Neubewilligung von derartigen Anlagen erstellt. Klinische Fischuntersuchungen wurden in drei Fällen durchgeführt.
Im Bereich der Förderungen für Fischerei und Aquakultur im Rahmen des Europäischen Fischereifonds (EFF) wurden im Berichtsjahr drei Projekte betreut und abgerechnet, sowie mehrere potentielle Projektwerber hinsichtlich der Fördermöglichkeiten beraten.
Abgeschlossen wurde die im Vorjahr durchgeführte Fischartenkartierung im Rheindelta mit 2 Ergebnisberichten und Karten mit den Häufigkeiten der Fischarten an den verschiedenen Stellen entlang des Vorarlberger Bodenseeufers.
In Zusammenarbeit mit den Fischereifachstellen am Alpenrhein (Graubünden, St. Gallen und Liechtenstein) wurde mit einer gemeinsamen Auswertung der Fischereistatistik für diesen Fluss begonnen. Dazu wurden für die Fangjahre 2009 und 2010 zwei informative Ergebnisberichte erstellt, die auch den Bewirtschaftern zur Kenntnis gebracht wurden und den Beginn einer Jahresreihe darstellen sollen.
Nach dem Start des Interreg IV-Projektes: "Seeforelle: Arterhaltung der in den Bodenseezuflüssen" im Vorjahr wurden an der Bregenzerach im Spätwinter 2010/2011 Laichhabitatkartierungen zwischen der Mündung und Andelsbuch durchgeführt. Ab September 2011 wurde die Bregenzerach gemeinsam mit dem Büro Hydra/Konstanz und den Mitgliedern der Fischereivereine regelmäßig elektrisch befischt und die einsteigenden Seeforellen abgefangen und mit Sendern ausgestattet, um ihre weitere Wanderung zu verfolgen und zu sehen, welche der bestehenden Hindernisse für sie nicht oder nur eingeschränkt passierbar sind.
Landesfischereizentrum:
Das Landesfischereizentrum wird mit der Brutanstalt, der Geschäftsstelle des Fischereiverbandes und dem Veranstaltungsraum seiner Bestimmung als operatives Zentrum der Fischerei in Vorarlberg gerecht. Die Brutanstalt erhielt die Anerkennung als landwirtschaftlicher Lehrbetrieb und hat im September einen Lehrling aufgenommen, der zum Fischereifacharbeiter ausgebildet wird.
Insgesamt wurden 45 Millionen Felchen, 140.000 Seeforellen, 20.000 Seesaiblinge, 25.000 Äschen und 10.000 Bachforellen erbrütet, aufgezogen und als Besatz in die Gewässer ausgebracht. Die erfolgreiche Aufzucht von Äschen ist besonders herauszustreichen. Diese Produktion soll weiter gesteigert und möglichst viele Jungfische für den Besatz und die Wiedereinbürgerung in unseren Fließgewässern bereit gestellt werden. Die Äsche ist die Leitfischart aller größeren Fließgewässer in Vorarlberg und in der aktuellen roten Liste als stark gefährdet eingestuft. Erstmalig hat man sich im Landesfischereizentrum auch mit der Reproduktion und Aufzucht von Barschen beschäftigt. Es ist gelungen, die Barsche im Versuchsmaßstab nach der Anfütterung mit lebendem Plankton auf Trockenfutter umzustellen. Sie sind im ersten Sommer bis auf 12 cm abgewachsen.
In Zusammenarbeit mit dem Fischereiverband fanden im Fischereizentrum Schulungen, Praxiskurse, Jungfischerunterweisungen, Aufseherkurse und Vortragsveranstaltungen statt, Arbeitsgruppen nationaler und internationaler Fischereiorganisationen und –gremien hielten ihre Tagungen und Sitzungen ab, Berufsfischer nutzten die Räumlichkeiten für Besprechungen und einer Reihe von größeren Gruppen und Schulklassen wurde bei Führungen ein Einblick in die Welt der Fische ermöglicht. Insgesamt besuchten wieder rund 1.000 Personen das Landesfischereizentrum. Darüber hinaus gehende Öffentlichkeitsarbeit war mangels personeller Kapazitäten nicht möglich.
Von 3. bis 14. Dezember 2011 wurde in Abstimmung mit den übrigen Anrainerstaaten nach mehreren Versuchsfängen der Laichfischfang für die Berufsfischer für insgesamt acht Fangnächte freigegeben. Der Höhepunkt der Laichreife wurde sehr gut getroffen, allerdings waren die Fangmengen in den üblichen Tiefen mit den Maschenweiten 42 und 44 mm vergleichsweise sehr gering. Dieses Ergebnis ist mit großer Wahrscheinlichkeit auf das Zusammentreffen mehrerer ungünstiger Faktoren zurückzuführen: für die Jahreszeit zu hohe Wassertemperaturen in den oberflächennahen Schichten (7 °C) und die starken Strömungen, sowie der herrschende Vollmond haben die Fische vermutlich dazu gebracht, stärker verteilt in tieferen Schichten abzulaichen. Aufgrund des Starkwindes musste der Laichfischfang zudem für 2 Tage unterbrochen werden. Dementsprechend schlecht war das Ergebnis der Laichfischerei 2011. So wurden von den österreichischen Berufsfischern im Landesfischereizentrum nur rund 90 l Blaufelchenlaich (6,9 Millionen Eier) und 130 Liter Gangfischlaich (8,6 Millionen Eier) zur Erbrütung abgeliefert. Diese Mengen stellen mit Abstand das schlechteste Ergebnis der vergangenen 10 Jahre dar. Die Erbrütungskapazität der Zugerglasanlage wird damit nur zu rund 22 Prozent ausgelastet.