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Gesellschaft - Suchtkoordination

Erstmals wurde Strychnin in beschlagnahmten Suchtgiftproben festgestellt

Österreichs führender Gerichtschemiker Walter Vycudilik schlägt Alarm. Erstmals musste er bei Reihenuntersuchungen von beschlagnahmtem Heroin die offensichtlich serienweise Beigabe von Strychnin feststellen.

„Von solchen Gerüchten ist zwar immer wieder zu hören, aber bisher wurde das international noch nie dokumentiert," erklärt der Wissenschafter.

Abgesehen von dem Kriminalfall in OÖ, wo drei Jugendliche einem Pärchen Strychnin als Droge „Speed" verkauften und es damit vergifteten (siehe Zusatzbericht), wurde in beschlagnahmten Proben bisher nie Strychnin nachgewiesen.

Die festgestellte Menge Rattengift variiert leicht und beträgt rund ein Zehntel Milligramm pro Gramm Straßenheroin.

Tödlich wirke zwar erst eine viel größere Strychnindosis, sagt Vycudilik, doch schon allein die Beimengung sei „sehr bedenklich". Denn bei so geringen Zugaben könnte den Dealern, die das Heroin mit dem anderen Gift mischen, sehr leicht ein Dosierungsfehler unterlaufen. Es sei zwar nicht anzunehmen, dass Rauschgifthändler die Drogenkranken mit Rattengift umbringen und so ihre „Kunden" verlieren wollen. Aber wozu dann diese Strychninwürzung? „Strychnin schmeckt bitter. Möglicherweise wollen die Dealer durch die Beigabe eine bessere Qualität von Heroin vortäuschen, das auch bitter schmeckt," vermutet Vycudilik.

Bei bisherigen Untersuchungen von Heroinproben wurden immer wieder etliche andere Zusatzsubstanzen nachgewiesen. Staubzucker, Mehl und Stärke zum Beispiel. Das sind Stoffe, die wie Heroin einem weißen Pulver gleichen und von den Dealern aus Habgier zum „Strecken" des Suchtgiftes verwendet werden. Strychnin, das viel billiger als Heroin ist und nach Meinung von Vycudilik gar nicht schwer aufzutreiben ist - vor allem in den östlichen Nachbarstaaten Österreichs -, war bisher in ganz Europa nicht in Drogen zu finden gewesen.

Professor Peter Iten von der Gerichtsmedizin Zürich hat bei Reihenuntersuchungen von Heroinproben bereits ein anderes gefährliches weißpulveriges Gift entdeckt, das in der Tollkirsche enthaltene Atropin.

Quelle: www.kurier.at vom Sonntag, 25.08.2002; Ernst Bieber

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