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Frauen und Gleichstellung

"Lebenssituation von Frauen und Männern in Karenz"

Vortrag von Dr.in Claudia Gold anlässlich der Präsentation "Leitfaden für Karenzierte"

Lebenssituation von Frauen und Männern in Karenz

Am Anfang der Karenzzeit steht das Ereignis, dass ein Kind geboren wurde. Ein Ereignis, das wohl die allermeisten Mütter und Väter mit ganz viel Freude, Glück und Stolz erfüllt. Ein Kind, das das künftige Leben der Eltern, der Familie, prägen wird:

Ein Kind bringt große Veränderungen

Das Leben mit einem ganz kleinen Kind bringt eine Menge neuer Anforderungen an die Mütter und Väter. Das Kind muss gut versorgt werden und um diese Versorgung dreht sich wohl das meiste in den ersten Lebensmonaten. Gerade beim ersten Kind erleben Mütter und Väter immer wieder Verunsicherungen, sie zweifeln, ob sie alles richtig machen – aber auch Eltern, die schon Kinder haben, erleben die Aufgaben rund um ein Neu Geborenes wieder als besonders verantwortungsvolle Herausforderung.

Für Mütter und Väter, die vor der Geburt des Kindes erwerbstätig waren, ändert sich das Leben besonders stark:Der Wechsel von der Arbeit außerhalb des Hauses hin zur häuslichen Tätigkeit ist eine dieser besonderen Veränderungen. Viele Eltern freuen sich darauf, einmal Abstand vom Beruf zu bekommen und sich ganz der Entwicklung des Kindes und der Familie widmen zu können. Gerade Mütter und Väter, die an ihrem Arbeitsplatz unzufrieden sind, erleben die Karenz als wohltuende Zeit, in der die Belastungen rund um ihre Erwerbstätigkeit wegfallen.

Das Leben zu Hause kann aber auch Schattenseiten mit sich bringen, die erst mit der Zeit bewusst werden:

So fallen die am Arbeitsplatz selbstverständlichen Sozialkontakte weg. Eltern, die ausschließlich zu Hause bei dem Kind oder den Kindern sind, vermissen es oft, nicht automatisch Kontakt mit anderen Erwachsenen, KollegInnen, KundInnen zu haben. Die Kommunikation mit einem kleinen Kind ist eine ganz andere als die unter Erwachsenen: der Austausch, das Gespräch gehen vielen Eltern in Karenz im Lauf der Zeit ab bzw. müssen bewusst und gezielt organisiert werden.

Im Zuge der vielen Arbeit zu Hause und der Kontakte mit anderen Eltern in Karenz verlieren sich auch oft die Kontakte zu Kolleginnen und Kollegen, der Freundeskreis verändert sich, das Thema "Kinder" wird der bestimmende Faktor.

Eine Erwerbstätigkeit – auch wenn sie nicht immer befriedigend ist – bringt doch in den meisten Fällen immer wieder Erfolgserlebnisse und Selbstbestätigung. In der Erziehungs-, Versorgungs- und Hausarbeit sind diese Erfolgserlebnisse nicht immer so gegeben, es gibt wenige bleibende sichtbare Arbeitsergebnisse: das gerade noch saubere und frisch gebadete Baby ist schon wieder nicht mehr so sauber und frisch, die aufgeräumte Küche ist nach dem nächsten Essen schon wieder aufzuräumen und pädagogische Bemühungen sind auch nicht immer von Erfolg gekrönt.

Eine Erwerbstätigkeit ist in vielen Fällen mit der Möglichkeit der beruflichen Weiterentwicklung verbunden, mit Aussichten auf Aufstieg, Fortbildungen, neue Arbeitsbereiche, Gehaltserhöhungen. Diese Anreize bietet die Arbeit zu Hause nur sehr bedingt.

Eine Erwerbstätigkeit ist klar strukturiert: es gibt ein Gehalt, fest gesetzte Arbeitszeiten, Vereinbarungen über Überstunden und klare Urlaubsregelungen. Bei der Arbeit zu Hause hingegen gibt es meist kein vergleichbares "Gehalt", es herrscht "Dienst rund um die Uhr", die Grenze zwischen Arbeitszeit und Freizeit ist fließend. Das ermöglicht auf der einen Seite mehr Flexibilität und die Möglichkeit, auf aktuelle Bedürfnisse zu reagieren sowie momentane Gelegenheiten zu nützen, auf der anderen Seite allerdings ist der persönliche Freiraum dadurch eingeschränkt, dass der Arbeitsplatz eben die Wohnung ist, und es bedarf besonderer Organisationsarbeit, wirklich auch Freizeit zu haben.

Mütter und Väter, die längere Zeit ausschließlich daheim bei den Kindern und im Haushalt tätig sind, vermissen oft die Aspekte außerhäuslicher Erwerbstätigkeit:

Vielfach merken sie das erst mit der Zeit, denn die ersten Karenzmonate sind geprägt von der Freude über das Kind, den Herausforderungen rund um das Baby, den Aufgaben der neuen Lebenssituation. Erst wenn diese Aufgaben zum Alltag werden, wenn sie mit weniger Energieaufwand gemeistert werden können, wird spürbar, dass das Leben auch sehr einseitig werden kann.

Die ausschließliche Konzentration auf die Arbeit zu Hause führt bei vielen zu einem immer größer werdenden Abstand vom Beruf. Aber auch dort bleibt die Zeit nicht stehen. Es geschehen Veränderungen im Betrieb, in der Arbeitsorganisation, neue Computer-programme werden eingeführt, ein Wechsel in der Belegschaft bringt neue Arbeits-bedingungen. Je weiter weg das Erwerbsleben scheint desto schwieriger erscheinen berufliche Aufgaben, die früher selbstverständlich gemeistert wurden.

Somit kann die Karenzzeit auch zu einer Falle werden: Je länger die Abwesenheit vom Arbeitsplatz dauert, desto schwieriger wird es, wieder den Anschluss zu finden und desto höher können die Selbstzweifel werden, ob ein Wiedereinstieg in eine qualifizierte Arbeit überhaupt gelingen kann.

Diese Probleme betreffen in erster Linie Frauen, denn nach wie vor sind sie es, die in Karenz gehen: Ende Juli 2003 waren in Vorarlberg 7.244 Mütter (98,9%) und 81 Väter (1,1%) in Karenz.

Die Gründe dafür liegen einerseits in den Einkommensverhältnissen (in der Regel verdienen Frauen weniger als Männer, wodurch es für das Familieneinkommen weniger ins Gewicht fällt, wenn das Einkommen der Mutter durch das Kinderbetreuungsgeld ersetzt wird) und andererseits in gesellschaftlichen Rollenbildern, die nach wie vor die Mütter als besonders zuständig und geeignet für Kinderbetreuung, Erziehung und Hausarbeit festschreiben.

Das Modell "Der Mann ist der Ernährer, die Frau die Versorgerin" ist in den Köpfen der meisten Männer und Frauen nach wie vor das vorherrschende Ideal einer Partnerschaft und Familie, auch wenn es in der Realität oft nicht mehr zu halten und im Sinne einer eigenständigen Absicherung auch nicht mehr zu empfehlen ist. Aber Tatsache ist, dass sich sehr viele Menschen keine andere Variante vorstellen können. Die Gesellschaft und die einzelnen selbst erwarten von einem Vater, dass er die Familie mit seinem Einkommen versorgen kann und von einer Mutter, dass sie sich ausschließlich den Kindern bzw. der Familie widmet. Somit ist ein Ausbruch aus diesen Rollenbildern häufig mit gesellschaftlicher Ablehnung verbunden: die Männer erscheinen als zu schwach oder unfähig, ihren Verpflichtungen nachzukommen und die Frauen als egoistisch und rücksichtslos.

Väterkarenz ist für viele Betriebe ein Novum und erzeugt vielfach Unsicherheit und Vorbehalte. Männer, die in Karenz gehen möchten, haben es oft nicht leicht, gegen diese Vorurteile anzugehen. Während es für eine Mutter als selbstverständlich gilt, dass sie in Karenz geht, wird Vätern häufig unterstellt, sie würden ihren Beruf nicht ernst genug nehmen oder sich vor dessen Anforderungen drücken. Auch scheinen männliche Arbeitskräfte zuweilen unentbehrlicher als weibliche.

Auch wenn sich auf der privaten, persönlichen Ebene einiges ändert und es immer mehr Männer gibt, die auch in der Öffentlichkeit zu ihrer Rolle als Vater stehen, so hinkt die Gesellschaft als Ganzes dieser Entwicklung doch noch sehr nach. Männer und Frauen brauchen viel Mut, um in dieser Hinsicht neue Wege zu beschreiten.

Die Karenzzeit ist eine Zeit mit vielen Herausforderungen:

da gibt es das wunderschöne Abenteuer, ein Kind in seiner Entwicklung zu begleiten;

da gibt es die vielen neuen Aufgaben, die das Leben mit einem Kind oder mit Kindern mit sich bringt;

da gibt es das Spannungsfeld zwischen häuslicher und außerhäuslicher Arbeit;

da gibt es den Abstand vom Leben vor dem Kind – und dieses frühere Leben kann oft gerade aus diesem Abstand heraus neu gesehen werden;

und da gibt es oft neue Weichenstellungen für das Leben nach der Karenz.

    Die Karenzzeit ist ein Abenteuer

    Ein Abenteuer, dessen Ausgang nicht immer gewiss ist.

    Die Karenzzeit ist eine ganz entscheidende Zeit im Leben einer Mutter und eines Vaters.

    In der Tradition unserer Menschheitsgeschichte wurden entscheidende Lebensphasen, ihre Gefahren, Lösungsmöglichkeiten und Entwicklungschancen in Form von Märchen den folgenden Generationen weiter gegeben.

    Ich möchte Ihnen nun auch ein Märchen erzählen:

    Das Märchen von zweien, die auszogen, in Karenz zu gehen

    Es waren einmal eine Frau und ein Mann, die erwarteten ein Kind. In der Nacht nach dem Tag, an dem die Frau erfuhr, dass sie schwanger sei, erschien der Frau im Traum eine gute Fee. In dem Traum waren der Mann und die Frau auf einer großen Wiese an einem Wegkreuz. Und genau an dieser Wegkreuzung begegnete ihnen die gute Fee. Eigentlich sah sie eher aus wie eine weise, alte Frau – oder auch wie eine kecke, freundliche Hexe – so genau konnte sich die Frau dann nicht mehr an den Traum erinnern. Aber was die Fee zu ihr und ihrem Mann sagte, das wusste sie noch genau, denn sie hatte sich schon im Traum darüber gewundert. Die Fee sagte nämlich nur: "Lasst Euch Zeit und denkt genau nach!"

    Am nächsten Morgen erzählte die Frau dem Mann von diesem seltsamen Traum. "Was mag die Fee wohl gemeint haben: Lasst Euch Zeit und denkt genau nach? Hat es etwas mit unserem Kind zu tun? Oder mit uns?"

    Auch der Mann wusste mit diesem Rat wenig anzufangen. Aber auch ihm gingen die Worte der Fee nicht mehr aus dem Sinn.

    Als die beiden dann am Abend nach der Arbeit wieder zusammensaßen besprachen sie, wie es nun weiter gehen sollte. Der Arbeitgeber der Frau musste ja von der Schwangerschaft in Kenntnis gesetzt werden. "Und dann sag ich ihm auch gleich dass ich natürlich in Karenz gehen werde!" meinte die Frau. "Ich muss mich auch noch informieren, wie das jetzt genau ist mit der Karenz. Das ist ja jetzt alles anders als früher."

    Noch während die Frau das sagte fiel ihr Blick auf den großen, gemütlichen Lehnstuhl, der am Fenster stand. Und der Polsterbezug erinnerte sie plötzlich stark an die Fee aus ihrem Traum – genau so ein Gewand hatte die getragen!

    Der Mann war gerade kurz hinaus gegangen, denn das Telefon hatte geklingelt. Die Frau blickte immer wieder den Sessel an und musste dabei immer intensiver an die Fee denken. "Wenn ich mich nun in diesen Sessel setze, dann bin ich der Fee vielleicht näher und kann ihre Botschaft verstehen?" dachte die Frau und setzte sich in den Stuhl. Sie hatte noch nie so angenehm empfunden, wie weich seine Polster waren, wie angenehm der Rücken gestützt und entlastet wurde, wie ruhig ihre Arme plötzlich auf den Lehnen ruhen konnten und wie weit ihr Blick vom Sessel hinaus aus dem Fenster schweifen konnte. Sie fühlte sich sehr wohl.

    Der Mann kam zurück. Die Frau blickte aus dem Fenster hinauf in den Sternenhimmel. "Wie viele Sterne es doch gab! Ist so ein Sternenhimmel nicht auch ein bisschen wie das Leben selbst? Mit ganz vielen verschiedenen Möglichkeiten?" - Wie philosophisch sie doch plötzlich geworden war!

    Am nächsten Tag erzählte die Frau dem Arbeitgeber von der Schwangerschaft. Der freute sich für sie, aber zugleich würde sie ihm fehlen, sie war ja eine so gute und geschätzte Arbeitskraft! Eigentlich hätte er ja vorgehabt, sie in ein paar Monaten zu fragen, ob sie eine andere, anspruchsvollere Position im Betrieb übernehmen wolle – aber das sei ja nun nicht mehr möglich....

    Die Frau kam wieder nach Hause und ohne viel nachzudenken setzte sie sich wieder in den Ruhesessel am Fenster. Das, was der Chef gesagt hatte, hatte sie sehr gefreut. Und es tat ihr Leid, dass nun alles anders kommen würde. Ein paar Jahre Karenz – da würde sich viel ändern im Betrieb und sie wäre nicht dabei....

    Plötzlich hörte sie wieder die Stimme der Fee: "Lasst Euch Zeit und denkt genau nach!"

    Die Frau ließ diese Worte nachklingen. Musste es eigentlich so sein, wie sie es sich eben erst noch gedacht hatte? Gab es nicht noch andere Möglichkeiten, vielleicht nicht so viele wie Sterne am Himmel, aber doch viel mehr als nur eine?

    Noch während sie so überlegte kam der Mann nach Hause. Er wunderte sich, dass noch kein Essen gerichtet war und dass seine Frau so still im Wohnzimmer saß. "Was ist denn los mit Dir?" fragte er besorgt. Seit er wusste, dass ein Kind unterwegs war, sorgte er sich sehr schnell um seine Frau. Und außerdem sollten Frauen ja oft recht wunderlich werden in der Schwangerschaft. Schon etwas Unheimliches, so ein weibliches Wesen!

    Die Frau erzählte ihm von ihrem Gespräch im Betrieb. "Und ich überlege mir schon, was ich tun könnte, um doch befördert zu werden. Aber es ist so schwierig. Ich möchte unser Kind ja auch nicht so schnell in fremde Hände geben, wir freuen uns doch so darauf!"

    Dann stand die Frau auf, ging in die Küche und richtete das Essen. Der Mann setzte sich in den Sessel und auch sein Blick schweifte hinaus in die Ferne, und auch er fühlte sich so ruhig und gelassen. Und auch ihm fielen die Worte der Fee ein: "Lasst Euch Zeit und denkt genau nach!" Und er dachte nach über das, was seine Frau gesagt hatte. Eigentlich hatte sie Recht. Sie hatte so viel gearbeitet in diesem Betrieb und sich die Beförderung redlich verdient. Und sie war immer so zufrieden gewesen mit ihrer Arbeit. An ihrer Stelle würde er auch nicht so schnell aufgeben....

    "An ihrer Stelle...?" – Diese Worte klangen noch in ihm nach, als er am Abend schlafen ging. "An ihrer Stelle...?" – Was würde er tun, wenn er an ihrer Stelle wäre? Wenn er das konsequent durchdachte musste er erst einmal das Kind zur Welt bringen. Nun ja, das war nicht möglich. Aber dann? An ihrer Stelle müsste er in Karenz gehen. Was für ein Gedanke!?

    Er in Karenz?

    In dieser Nacht schlief er sehr schlecht, er war lange wach und warf sich von einer Seite auf die andere. Um seine Frau nicht zu wecken ging er schließlich ins Wohnzimmer. Dort lockte ihn wieder der Sessel am Fenster. Er machte es sich gemütlich. Und er dachte nach, und er ließ sich dabei Zeit.

    Am nächsten Morgen war er trotz der durchwachten Nacht gar nicht müde. Er fühlte sich beschwingt, denn er hatte in dieser Nacht eine Idee geboren. Er konnte es kaum erwarten, seiner Frau davon zu erzählen.

    Beim Duft des Frühstückskaffees war es dann so weit. "Wie wäre es, wenn wir uns die Karenzzeit teilten?" fragte er seine Frau. Die war zuerst ganz erstaunt, daran hatte sie nicht gedacht. Aber es erschien ihr eine ausgezeichnete Idee: eine geteilte Karenzzeit – das würde für sie bedeuten, dass ihre Beförderung vielleicht doch möglich wäre! Das würde bedeuten, dass sie nicht so lange weg wäre vom Arbeitsplatz und wichtige Entwicklungen nicht verschlafen würde! Das würde bedeuten, dass der Mann eine ganz andere, intensivere Beziehung zu dem Kind bekommen würde! Und bei der momentanen Unsicherheit wegen der Pensionen wäre das ja auch ein Riesenvorteil! Sie war ganz hingerissen davon, was für eine wunderbare Idee ihr Mann geboren hatte!

    Einige Tage später redeten sie weiter. Inzwischen hatte der Mann bei seinem Chef einen Termin gehabt und seine Karenzwünsche mit ihm besprochen. "Er war gar nicht begeistert. Hat mich gefragt, ob ich jetzt unter die Weichlinge gegangen bin, die lieber Windeln wechseln als richtige Arbeit zu leisten. Ob ich lieber einen Kinderwagen schiebe als wichtige Kunden zu besuchen? Und wie ich mir das mit der Arbeit dann überhaupt vorstelle? – Gut, dass ich mir davor schon viele Gedanken gemacht hatte! So konnte ich ihm genau sagen, wie ich das sehe, wie das alles organisiert werden kann – und schließlich kann ich das mit der Karenz ja auch wirklich langfristig planen, damit keine Engpässe entstehen. Außerdem hab ich ihn dann auch noch damit gewinnen können, dass ich auf das Image familienfördernder Betriebe hingewiesen habe und darauf, wie innovativ doch Väterkarenz ist. Das hat ihm dann auch geschmeichelt. Zum Schluss war er ganz interessiert – Väterkarenz, das ist ihm noch nie begegnet!"

    Die Frau lachte: "Ja, es ist schon was Ungewöhnliches! Meine Kollegin hat gemeint, dass Du doch sicher nicht richtig für das Kind sorgen kannst, ein Mann kann das einfach nicht, hat sie gesagt. Sie ist dann schon ein wenig nachdenklich geworden als ich ihr gesagt habe, dass auch Mütter nicht mit der Fähigkeit zu wickeln und überhaupt für ein Kind zu sorgen geboren werden, dass sie das alles auch erst lernen müssen. Warum soll das ein Mann nicht auch lernen können? Sie hat mich dann auch noch gefragt, ob ich nicht eifersüchtig bin, wenn Du als einziger Mann am Spielplatz Hahn im Korb sein würdest?"

    Der Mann und die Frau saßen noch lange beisammen und erzählten sich, wie erstaunt und verunsichert andere reagierten, wenn sie von der geteilten Karenz hörten. Aber diese Reaktionen bestärkten sie noch darin, ihren Weg weiter zu gehen. Warum nicht etwas Neues tun, wenn das Alte so viele Nachteile hätte?

    Sie planten aber auch ganz realistisch: Wann wäre der beste Zeitpunkt für die Frau, wieder an ihren Arbeitsplatz zurückzukommen? Wann der für den Mann, in Karenz zu gehen? Finanziell würde sich während der Karenz des Mannes einiges verschlechtern, denn die Frau verdiente weniger. Aber auch dies ließe sich überbrücken, schließlich konnte man sich ja schon lange davor darauf einstellen.

    Sie planten alles in Ruhe, holten Informationen ein und fällten ihre Entscheidungen nach ausführlichen Überlegungen. Der Lehnstuhl wurde zu einem Ort der Entspannung und Besinnung, den beide nicht mehr missen wollten. Und immer wieder spürten sie die Nähe der Fee, die sie ermunterte, auf ihre innere Stimme zu hören.

    Das Kind kam und die Frau ging in Karenz. Sie genoss es, ganz für das Kind da zu sein. Als dann ihre Karenzzeit zu Ende ging freute sie sich aber auch wieder auf die Arbeit und die neuen Herausforderungen. Sie hatte während der Karenz an einer betrieblichen Weiterbildung teilgenommen und fühlte sich fit.

    Der Mann ging in Karenz. Obwohl er ja seiner Frau schon einiges abschauen hatte können war es doch sehr ungewohnt für ihn, sich ganz allein um das Kind kümmern zu müssen. Er erkannte wie schwer es oft war, den Haushalt zu schaukeln und für das Kind zu sorgen. Er bewunderte seine Frau, wie sie das alles geschafft hatte. Und es war schön für ihn, so viel Zeit mit dem Kind verbringen zu können.

    Wenn der Mann mit dem Kinderwagen unterwegs war erntete er oft erstaunte Blicke. Auch beobachtete er, dass Frauen mit Kinderwagen viel öfter geholfen wurde, wenn sie z.B. in den Bus einstiegen. Bei einem Mann erwartete man offensichtlich, dass er das alleine schaffen könne. Andererseits hatte ihm schon oft die Nachbarin frisch gebackenen Kuchen gebracht, das hatte sie bei seiner Frau zuvor nie getan.... Wenn zwei das gleiche tun ist es wirklich nicht das selbe!

    Der Mann und die Frau sprachen viel über die verschiedenen Eindrücke, die sie in ihrer Karenz sammelten. Sie redeten überhaupt über viel mehr als früher, es gab viel mehr Gesprächsstoff, nicht nur über das Kind. Sie kamen einander noch näher als sie es bisher schon gewesen waren.

    Dieses Märchen kann nicht damit enden "Und wenn sie nicht gestorben sind, dann sind sie noch heute in Karenz" – denn die Karenzzeit endet einmal. Vielleicht endet das Märchen damit "Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute glücklich, sozial abgesichert und auch beruflich zufrieden."

    Märchen erzählen Menschenleben in Bildern. Märchen zeigen Wege auf. Märchen haben einen hohen Wahrheitsgehalt. Märchen gehen immer gut aus.

    Aber der glückliche Ausgang fällt den Heldinnen und Helden nicht in den Schoß.

    Er muss durch das Bestehen von Prüfungen, durch den Kontakt zu guten Geistern und durch das Fällen richtiger Entscheidungen verdient werden.

    Somit sind Märchen wirklich wie das richtige Leben.

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