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Referent: Prof.
Dr. Dr. h.c. Konrad Ehlich
Moderation: Dr. Kurt Greussing
"Utlub al-ilm, wa lau fi as-Sin": Das ist Arabisch und heißt, dem Wissen
('ilm) zuliebe solle man bis nach China gehen. Es ist ein Spruch, der
dem Propheten Mohammed zugeschrieben wird und der folglich aus dem 7.
Jahrhundert stammen würde. Um das Wissen in China - also an den Grenzen
der damals bekannten Welt - zu finden, empfiehlt es sich freilich,
Chinesisch zu können.
Einsprachigkeit oder Mehrsprachigkeit - das war seit den alten Griechen
in Europa stets ein Streit. Einsprachigkeit stand und steht für die
erwünschte und auch immer wieder notwendige Vereinheitlichung großer
Räume - politisch, kulturell und ökonomisch -, Mehrsprachigkeit gilt als
Ressource für kulturellen Austausch, produktive Spannung und denkerische
Flexibilität, freilich auch für ethnische Konflikte und den Kampf um
Anerkennung und Dominanz.
Wir wissen nie, was wir morgen wissen sollten oder wissen müssten. Das
Einzige, was uns hilft, eine unsichere Zukunft zu bewältigen, ist die
Bildung vielfältiger Ressourcen. Und dazu gehören in besonderem Maße
Sprachen - und zwar nicht nur die heute führenden. Mehrsprachigkeit, in
welchen Sprachen auch immer, schafft Zugang zum Weltwissen. Heute, im
Zeitalter des Internets, muss man dazu nicht mehr unbedingt bis nach
China gehen.
Zum Referenten:
Die Hauptarbeitsgebiete von Dr. Konrad Ehlich liegen in den Bereichen
Allgemeine und Angewandte Sprachwissenschaft, Wissenschaftssprache,
Spracherwerb, Interkulturelle Kommunikation und Sprachsoziologie. Bevor
er an die Ludwig-Maximilians-Universität München berufen wurde,
arbeitete er an der Freien Universität Berlin sowie den Universitäten
Düsseldorf, Tilburg (Niederlande) und Dortmund. Er hat zahlreiche
Publikationen zu verschiedenen Bereichen der Sprachwissenschaft
veröffentlicht. |