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Im Alter von 103 Jahren präsentiert der
Oberösterreicher Leopold Engleitner gemeinsam mit seinem Biografen
Bernhard Rammerstorfer im Kuppelsaal der Vorarlberger Landesbibliothek
die Biografie "Ungebrochener Wille" und Dokumentarfilme über seine
Lebensgeschichte und USA-Vortragstour.
Leopold Engleitner wurde am 23. Juli 1905 in Strobl,
Österreich, geboren und wohnt heute in
St. Wolfgang im Salzkammergut.
Als kleiner Junge begegnete er in Bad Ischl Kaiser Franz Joseph und er
musste die Schrecken des Ersten Weltkrieges durchmachen. Nach dem Ersten
Weltkrieg überstand er trotz wochenlang hohen Fiebers die „Spanische
Grippe“. Während des Nazi-Regimes verweigerte er als einfacher
Bauernknecht aufgrund seiner religiösen Überzeugung als Zeuge Jehovas
den Dienst in der Deutschen Wehrmacht. Die Nazis quälten ihn deshalb in
den Konzentrationslagern Buchenwald, Niederhagen und Ravensbrück.
In Buchenwald war er von Oktober 1939 bis März 1941 interniert.
Engleitner erinnert sich: „Bei der Einlieferung wurde ich Zielscheibe
der Aggressionen des Bunkeraufsehers Martin Sommer. Nachdem er mich auf
brutalste Weise geschlagen hatte, setzte er mir die Pistole an die
Schläfe und sagte: ‚Ich drücke jetzt ab. Bist du gefasst?‘ Ich antworte:
‚Ja, ich bin gefasst.‘ Dann nahm er die Pistole wieder herunter und
schrie: ‚Du bist zum Erschießen auch zu blöde.‘ Anschließend trieb er
mich mit Schlägen in die Zelle zurück, wo ich die ganze Nacht stehend
verbringen musste.“ Daraufhin musste er unter anderem im Steinbruch am
Ettersberg unter unmenschlichsten Bedingungen Schwerstarbeit verrichten.
„Wir Häftlinge mussten uns sogar um das Werkzeug raufen, denn wenn man
keines ergatterte musste man den ganzen Tag mit bloßen Händen nach
Steinen graben. Die Situation was so schlimm, dass junge Häftlinge mit
15 Jahren innerhalb weniger Wochen graue Haare bekamen.“, berichtet
Engleitner.
Im März 1941 wurde er ins KZ Niederhagen in Wewelsburg bei Paderborn
überstellt. Mehrmals wurde ihm von der SS angeboten, den Revers
(Erklärung zum Abschwören des Glaubens und Einverständnis zur totalen
Unterwerfung Hitlers) zu unterschreiben und als freier Mann das KZ zu
verlassen, aber er gab seine Grundsätze nicht auf.
Im April 1943 kam Engleitner ins KZ Ravensbrück, wo er nach jahrelanger
KZ-Zwangsarbeit und schwersten Misshandlungen im Juli 1943 mit nur 28
Kilogramm aus dem KZ Ravensbrück entlassen wurde. Die Bedingung war:
„Lebenslange Zwangsarbeit in der Landwirtschaft“.
In der Heimat arbeitete er dann auf einem Bauernhof als Zwangsarbeiter,
bis er kurz vor Kriegsende noch den Einberufungsbefehl erhielt.
Daraufhin flüchtete er ins Gebirge des Salzkammerguts. Wochenlang wurde
er von den Nazis wie ein Tier gejagt, aber nicht aufgespürt. Nach dem
Krieg war sein Leben als ehemaliger KZ-Häftling jahrzehntelang von
Ausgrenzung und Unverständnis geprägt.
Mit welchen Gefühlen denkt er an die schlimmste Zeit in seinem Leben
zurück?
„Mit
einem guten Gefühl. Die Nazis haben uns gedroht, dass wir niemals lebend
aus dem KZ rauskommen werden, wenn wir unsere Einstellung nicht ändern.
Ich bin herausgekommen und lebe immer noch und das obwohl ich meinem
Grundsatz treu geblieben bin, niemals einen Waffe gegen einen
Mitmenschen zu richten. Das erfüllt mich mit Freude und Genugtuung und
möchte vor allem junge Menschen empfehlen, ihr Leben nach gerechten
Grundsätzen auszurichten.“
Im hohen Alter
begann der älteste bekannte KZ-Überlebende weltweit eine erstaunliche
Tätigkeit als Zeitzeuge gegen das Vergessen und reiste von 1999 – 2007
mehr als 82.000 Kilometer durch Europa und die USA. Tausenden von jungen
Menschen führte er an Schulen und Universitäten, darunter die Columbia
University und die Stanford University, die schrecklichen Auswirkungen
totalitärer Regime und Gruppenzwang vor Augen. Mit seiner
Lebensgeschichte sensibilisiert er die Jugend, bei Unrecht nicht zu
schweigen und vermittelt die hohe Bedeutung von Toleranz und
Menschlichkeit für den Frieden.
Im 102. Lebensjahr wurden
Leopold Engleitner für seine mutige Haltung während des NS-Regimes und
sein langjähriges verdienstvolles Wirken als Vortragender an
internationalen Universitäten, Schulen und Gedenkstätten folgende hohe
Bundesauszeichnungen verliehen:
- „Goldenes Verdienstzeichen der Republik Österreich“ vom
österreichischen Bundespräsidenten Dr. Heinz Fischer
-
„Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik
Deutschland“ vom deutschen Bundespräsidenten Dr. Horst Köhler
BIOGRAFIE des ältesten KZ-Überlebenden:
Ungebrochener Wille
Der außergewöhnliche Mut eines einfachen Mannes
Leopold Engleitner, geb. 1905
Autor: Bernhard Rammerstorfer
ISBN 978-3-9502462-0-9, 448 Seiten, 184 Bilder, Pappband, Erschienen im
März 2008
FILMINFORMATIONEN:
DVD-educative „Nein statt Ja und Amen – Leopold Engleitner: 100 Jahre
ungebrochener Wille“
Doppel-DVD in Zusammenarbeit mit dem Simon Wiesenthal Center in Los
Angeles
180 Min.
DVD und Blu-ray Disc "Ungebrochener Wille auf USA-Vortragstour"
Leopold Engleitners unermüdlicher Einsatz für Toleranz, Menschlichkeit
und Frieden im
101. Lebensjahr
Buch, Regie und Produktion: Bernhard Rammerstorfer
50 Min.
Nähere Informationen:
www.rammerstorfer.cc |