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Angesichts der zum Teil überaus bedeutenden Büchersammlungen, die sich bereits im Mittelalter bzw. in der frühen Neuzeit in Vorarlberg befanden, sind die bei der Gründung der Vorarlberger Landesbibliothek im Jahre 1977 übernommenen historischen Schriften als eher bescheiden zu bezeichnen. Ein Blick auf die Bibliotheksgeschichte Vorarlbergs zeigt, daß dies jedoch nicht weiter verwunderlich ist. Wie anderswo waren auch bei uns Klöster, andere kirchliche Organisationen, Privatpersonen und vor allem Adelige um Bewahrung und Sammlung von Schriftgut bemüht.
Namentlich hervorzuheben sind dabei die Benediktinerabtei in der Mehrerau, die Klöster St. Anna und Thalbach in Bregenz, das Minoritenkloster Viktorsberg sowie das Jesuitengymnasium in Feldkirch. Besonders wertvolle Literaturschätze beherbergten die von Graf Jakob Hannibal I. von Hohenems gegründete und von seinem Sohn Kaspar ausgebaute Schloßbibliothek und die Humanistenbibliotheken des Hieronymus Münzer oder des Michael sowie Vater und Sohn Gabriel Hummelberg aus Feldkirch. Als im Zuge der Reformpolitik Maria Theresias und Josephs II. jedes Kronland eine eigene wissenschaftliche Bibliothek erhalten sollte, ging Vorarlberg, da es verwaltungsmäßig zu Vorderösterreich und ab 1782 wieder zu Tirol gehörte und damit kein eigenständiges Kronland war, leer aus.
Das Fehlen einer zentralen Sammelstelle wirkte sich besonders bei den in dieser Zeit stattgefundenen Aufhebungen von Klöstern negativ aus. Solcherart freigewordene Buchsammlungen blieben nicht im Lande, sondern wurden - wenn man sie nicht gar der Vernichtung preisgab, wie etwa der überwiegende Teil der großartigen Bibliothek der Mehrerau - verkauft oder von anderen Institutionen übernommen, in erster Linie von den Universitätsbibliotheken in Innsbruck und Freiburg im Breisgau sowie von der Hofbibliothek in Wien, der heutigen Österreichischen Nationalbibliothek.
Daß überhaupt eine buchgeschichtliche Sammlung in Vorarlberg vorhanden ist, ist den Vorarbeiten des seit 1857 bestehenden Vorarlberger Landesmuseumsvereins und des Vorarlberger Landesarchivs, das sich seit seiner Gründung im Jahre 1898 intensiv um die "Konsolidierung und zielführende Pflege des wissenschaftlichen Büchereiwesens" kümmerte, zu verdanken.
Nur so war es möglich, daß die Landesbibliothek bei ihrer Neugründung im Jahre 1977 mehr als 30 Inkunabeln, eine ansehnliche Sammlung alter Vorarlberger Drucke sowie rund 100 Bände aus der ehemaligen Schloßbibliothek in Hohenems übernehmen konnte. Durch gezielte Ankäufe bzw. durch Schenkungen und Leihgaben gelang es in den darauffolgenden Jahren, den Bestand an alten Schriften bedeutend zu vergrößern, so daß die Vorarlberger Landesbibliothek heute in der Lage ist, ein umfangreiches historisches Buchgut (ca. 40.000 Bände) vorzuweisen.
Eine Ausleihe ist grundsätzlich nicht möglich. Reproduktionen werden soweit es die Bestände zulassen gegen Gebühr erstellt.
Inkunabeln
Inkunabelkatalog der Vorarlberger Landesbibliothek
Die Inkunabelsammlung der Vorarlberger Landesbibliothek zählt genau 100 Bände mit insgesamt 109 Druckwerken aus dem 15. Jahrhundert. 36 Wiegendrucke wurden bei der Gründung der Landesbibliothek vom Vorarlberger Landesarchiv übernommen, die zum größten Teil aus Pfarrarchiven stammen, die um die Jahrhundertwende dem Landesarchiv inkorporiert worden waren. Durch die Übernahme der Bibliotheken der Kapuzinerklöster Bezau (1978) und Bregenz (1992) kamen weitere 13 bzw. 21 Inkunabeln hinzu. Die übrigen Exemplare wurden meist einzeln durch Kauf erworben.
Theologie, Klassische Philologie und Geschichte/Geographie bestimmen im wesentlichen die Inhalte der Inkunabeln. Die Werke sind mit Ausnahme von drei deutschsprachigen Titeln in Latein verfaßt. Bei den Druckorten nimmt Venedig (27) die erste Stelle ein, gefolgt von Straßburg (14), Basel (12), Nürnberg (9), Augsburg und Urach (je 6). Insgesamt lassen sich 20 Druckorte nachweisen. Die 109 Inkunabeln entstanden zwischen 1470 und 1500 in den Offizinen von insgesamt 60 Druckern. Am zahlreichsten vertreten sind Drucke von Anton Koberger (8), Konrad Fyner (6), Johann Zainer und Martin Flach (je 5), Johann Amerbach, Johann Grüninger und Baptista de Tortis (je 4).
Drucke des 16. Jahrhunderts
Die rund 600 Drucke des 16. Jahrhunderts sind vom übrigen Bestand separiert, ihre Katalogisierung und Beschreibung ist jedoch noch nicht ganz beendet. Bei den bereits erschlossenen Bänden (90 Prozent) ist ein deutlicher Überhang an Werken aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erkennbar (Verhältnis 1:2), wobei die Druckjahre 1581 bis 1590 überdurchschnittlich oft anzutreffen sind. Zu den am häufigsten aufscheinenden Druckorten gehören Köln, Straßburg, Ingolstadt, Antwerpen, Venedig, Frankfurt/M, Lyon, Basel und Paris. Es handelt sich größtenteils um theologische Abhandlungen, Werke zu Geschichte, Geographie und Landeskunde, Klassische Philologie sowie um juristische und philosophische Texte. Reformatorisches Schrifttum ist ebenfalls gut vertreten. Hingegen liegen nur wenige Titel zu Literatur, Medizin, Astronomie, Mathematik, Musik sowie zu den Natur- und Militärwissenschaften vor. Rund 60 Prozent der Drucke sind lateinisch, 30 Prozent deutsch.
Vorarlbergensien (vor 1850)
Die Vorarlbergensiensammlung ist für das Land Vorarlberg natürlich von ganz besonderem Interesse, beinhaltet sie doch all jenes Schrifttum, das aus der Feder von Vorarlberger Autoren stammt, im Land von hier ansässigen Buchdruckern erstellt wurde oder in irgendeiner Form über das Land Vorarlberg berichtet.
Vorarlberger Autoren
Für die Geistes- und Kulturgeschichte des Landes ist die bedeutende Sammlung von Druckwerken früherer Vorarlberger Autoren, die mit dem frühen 16. Jahrhundert beginnt, von großer Wichtigkeit.
Zu den in dieser Sammlung (ca. 400 Werke) vertretenen geistig führenden Köpfen zählen in erster Linie die Humanisten Georg Joachim Rheticus (1514 - 1574) aus Feldkirch, der einzige Schüler des Kopernikus, der in Bregenz geborene Hofhistoriograph Kaiser Maximilians I. Jakob Mennel (um 1460 - vor dem 6.3. 1526), die in Wittenberg tätigen Reformatoren Johannes (um 1490 - 1534) und Bartholomäus Bernhardi (1487 - 1551) aus Schlins, der in Feldkirch wirkende Historiker und Genealoge Gabriel Bucelin (1599 - 1681), der Komponist Laurentius von Schnifis (1633 - 1702), der ebenfalls dem Barock zuzurechnende Lucianus Montifontanus (gest. 1716) aus Schruns sowie der Exorzist Johann Josef Gassner aus Braz (1727 - 1779), um nur einige wenige zu nennen.
Vorarlberger Drucke
Die Geschichte des Vorarlberger Buchdrucks belegt die Sammlung alter Drucke aus der Produktion der im Land tätig gewesenen Offizinen, die rund 700 Einheiten (ca. 450 Originale, der Rest sind Nachweise in Form von Titelblattkopien) umfaßt.
Sie beginnt mit der 1616 von Bartholome Schnell in Hohenems gedruckten Hystorischen Relation, oder Eygendtliche Beschreibung der Landschafft vnderhalb St. Lucis Stayg vnd de[m] Schallberg beyderseits Rheins biß an den Bodensee..., besser bekannt unter dem Kurznamen Emser Chronik, die in einem recht guten Exemplar zu den Kostbarkeiten der Landesbibliothek zählt. Das von Johann Georg Schleh aus Rottweil 1613 fertiggestellte Werk bedeutete gleichzeitig den "Beginn der Vorarlberger Landesgeschichtsschreibung". Ebenso beeindruckend wie interessant sind die darin enthaltenen kartographischen Holzschnitte und die beinahe 100 Wappendarstellungen. Nicht zuletzt deshalb stellt die Emser Chronik wohl den Höhepunkt der Buchdruckerkunst in Vorarlberg dar. Die politischen Absichten, die hinter diesem Werk stecken, werden in der Vorarlberger Landkarte - übrigens die älteste überlieferte Karte, die das gesamte heutige Vorarlberg zeigt - deutlich: mit schraffierten Grenzen wurde jenes Gebiet abgesteckt, das - wenn es nach dem Willen des Initiators Graf Kaspar von Hohenems gegangen wäre - als "Unterrätien" einen souveränen Territorialstaat unter der Herrschaft der Emser Grafen bilden sollte. Aus der Offizin Schnells und seiner Nachfolger in Hohenems sind bis heute 48 Titel bekannt.
Eine sehr lange, bis ins 15. Jahrhundert zurückreichende Tradition hat der Buchdruck in Feldkirch. Die ersten aus dieser Stadt stammenden Vertreter der schwarzen Kunst übten ihr Gewerbe allerdings nicht in ihrer Heimatstadt aus. Der um 1440 geborene Johannes Koch, genannt Meister, gilt heute als der älteste Drucker des Landes, ja sogar als "der erste bisher bekannte auf dem Gebiet des heutigen Österreich geborene Drucker". Obwohl Feldkirch im 16. Jahrhundert ein bedeutender Umschlagplatz für Bücher war, dauerte es bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts, ehe in der Stadt ein Buchdrucker ansässig wurde. Als Geburtsstunde des Feldkircher Buchdruckes gilt das Jahr 1666, das Erscheinungsjahr der von Johann Georg Barbisch gedruckten Virtutes Ferdinandi II. von P. Larmormain. Die 1667 bei Barbisch erschienene Erzehlung vnd aigentliche Geschicht der gebenedeyten Corallen von unserm lieben Herrn Jesu Geweieht... ist das älteste der zahlreichen von Feldkircher Buchdruckern (Johann Hübschlin, Johann Baptist Hummel, Philipp Anton Schmid, die Familien Graff und Haller) gedruckten Bücher, die in der Landesbibliothek vorhanden sind.
Der Bregenzer Buchdruck, der 1659 mit Bartholome Schnell d.J., dem Sohn des Begründers der ersten Hohenemser Offizin, begann, erreichte an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert mit Josef Anton Bonifaz Brentano seinen Höhepunkt. Rund 300 Drucke aus der Werkstatt dieses Mannes werden in der Landesbibliothek aufbewahrt und bilden ein Kernstück der historischen Buchsammlung.
Im Rahmen der historischen Bestände der Landesbibliothek werden auch die in Vorarlberg vor 1850 gedruckten Zeitungen gesammelt. Als Druckort von Zeitungen hat besonders Hohenems einige Bedeutung erlangt, weisen doch ca. sieben Prozent aller für das Gebiet des heutigen Österreich noch belegbaren Zeitungen dorthin. Damit liegt Hohenems an zweiter Stelle hinter Wien und noch vor Graz. Insgesamt sind 14 sogenannte Newe Zeitungen aus dem beginnenden 17. Jahrhundert erhalten, von denen zwölf zu Lebzeiten Bartholome Schnells d.Ä. (um 1580 - um 1655) gedruckt wurden.
Als erste periodisch gedruckte Zeitung Vorarlbergs gilt die von Johann Hübschlin seit den 1670iger Jahren in Feldkirch gedruckte Wochentliche Sonntags Ordinarj- und Extra-Ordinarj Post-Zeitung. Von diesem Periodikum besitzt die Landesbibliothek allerdings keine Exemplare. Dagegen verfügt sie über einige Ausgaben der Ordinari Wochentlichen Post-Zeitung, die in der Offizin Nicolas Schüßlers in Bregenz um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert gedruckt wurde. Das älteste Exemplar trägt das Datum 6. Dezember 1697.
Von dem seit 1793 bei Brentano in Bregenz regelmäßig erschienenen Bregenzer Wochenblatt sind praktisch alle Nummern erhalten. Geistesgeschichtlich besonders interessant sind dabei jene Ausgaben, die einen Zensurvermerk tragen und von denen angenommen werden kann, daß sie nicht in dieser Fassung ausgeliefert wurden.
Weiters finden sich in der historischen Buchsammlung Exemplare der ersten in Vorarlberg hergestellten Schreibkalender (aus den Jahren 1714 und 1725), sowie eine nicht geringe Anzahl in Vorarlberg gedruckter Flugblätter und anderer Einblattdrucke.
Vorarlberger Landeskunde
Der dritte Schwerpunkt des landeskundlichen Bestandes umfaßt ca. 200 Werke, die von ihrem Inhalt her mit Vorarlberg in Verbindung stehen. Hervorzuheben wären hierbei Sebastian Münsters Cosmographey, die in verschiedenen Ausgaben (ab 1544) vorhanden ist, Johannes Stumpffs Gemeiner loblicher Eydgnoschafft Stetten, Landen und Völckeren Chronick wirdiger thaaten beschreybung von 1548, Matthaeus Merians Topographia Sueviae aus dem Jahre 1643, die Schwäbische Chronik des Martin Crusius aus dem Jahre 1733 oder das zweibändige, 1734 gedruckte Chronicon Helveticum des Aegidius Tschudi, um nur einige zu nennen.
Sondersammlungen
Bibliotheca Emsiana
Auch wenn sich von der einstmals so großzügig ausgestatteten Palastbibliothek der Grafen von Hohenems - in ihr befanden sich sehr bedeutende germanistische Handschriften wie die Handschriften A und C des Nibelungenliedes, eine Handschrift des Schwabenspiegels, die Handschrift A des Barlaam und Josaphat von Rudolf von Ems, möglicherweise auch die Handschrift A von Des Tüfels Segi - nur noch spärliche Reste erhalten haben, kommt der Sammlung der Landesbibliothek trotzdem einige Bedeutung zu, handelt es sich doch um die einzige, wenigstens teilweise erhaltene Adelsbibliothek aus dem Raum des heutigen Bundeslandes Vorarlberg. Zudem gewähren die vielen handschriftlichen Vermerke in den Büchern einen wertvollen Einblick in Geisteshaltung und politische Bestrebungen der Reichsgrafen von Hohenems auf dem Höhepunkt ihrer Machtentfaltung.
Die ca. 100 Titel umfassende Sammlung enthält 59 Titel aus dem 16. Jahrhundert, 46 aus dem 17. Jahrhundert und 12 aus dem 18. Jahrhundert. Am häufigsten sind in dieser Sondersammlung - den ausgeprägten Beziehungen der Grafen von Hohenems nach Italien entsprechend -Werke in italienischer Sprache anzutreffen (59). Dazu kommen 18 spanische, je 14 deutsche und lateinische sowie 2 französische Titel. Der Bestand enthält größtenteils Abhandlungen zu Geschichte und Geographie. Deneben finden sich Literatur, Werke zur Klassischen Philologie, Medizin, ferner Juridica und Militaria.
Vergiliana
Im Zuge von Ausgrabungen zu Beginn dieses Jahrhunderts wurde auf einem Stückchen Wandverputz, das aus einem Wandelgang der Thermen des römischen Brigantium stammte, der Rest einer Inschrift gefunden, die als Vergil, Aeneis XII, Verse 58-60 identifiziert werden konnte und in ihrer Art nördlich der Alpen einzigartig ist. Dieses "erste literarische Dokument unseres Landes" gab den Anlaß, zu Ehren des Publius Vergilius Maro (70 - 19 v. Chr.) eine Sondersammlung anzulegen.
Die Vergilsammlung der Vorarlberger Landesbibliothek umfaßt derzeit rund 350 Titel. Über 100 Textausgaben und Kommentare stammen aus der Zeit vor 1840 (eine Inkunabel, 30 Druckwerke aus dem 16. Jahrhundert). Darunter befinden sich so prachtvolle wie seltene Exemplare, etwa die Venezianer Ausgaben von 1515 und 1544, beide mit zahlreichen Holzschnitten versehen, oder die Pariser Gesamtausgabe von 1529.
Von den Vers- und Prosaübersetzungen des virgilianischen Werkes wären besonders jene von Annibale Caro (1507 - 1566) ins Italienische, von Johann Heinrich Voss (1751 - 1826) ins Deutsche, sowie die mit ca. 100 ganzseitigen Kupfertafeln versehene London-Ausgabe (1697) von John Dryden und die 1804 erschienene vierbändige Paris-Ausgabe von Jacques Delille (1738 - 1813) zu erwähnen.
Nibelungenlied
Die Nibelungenhandschriften A und C, die jahrhundertelang in der Palastbibliothek der Grafen von Hohenems aufbewahrt wurden, bilden den Hintergrund für diese Sondersammlung. In ihr befinden sich neben der Sekundärliteratur zahlreiche deutschsprachige Ausgaben des Nibelungenliedes aus dem 18. bzw. 19. Jahrhundert. Rund 30 Editionen sind vor 1850 erschienen. Darunter befindet sich auch die erste, von Johann Jakob Bodmer besorgte Ausgabe des zweites Teils des Nibelungenliedes nach der Handschrift C, die 1757 erschienen ist.
Benediktinerabtei Mehrerau
Aus dem 1806 aufgelösten Benediktinerkloster Mehrerau haben nur einige wenige Werke den Weg in die Vorarlberger Landesbibliothek gefunden. Ein Haufen, "so groß wie ein Stadel", schrieb P. Laurentius Wocher, fiel einem Volksfest zum Opfer. Die Bücher wurden schlichtweg verbrannt.
Die Sammlung enthält 34 Werken (17 deutsch, 17 lateinisch), darunter sechs Inkunabeln, 8 Titel aus dem 16., 18 aus dem 17. und zwei aus dem 18. Jahrhundert. 22 Bücher betreffen die Theologie, acht die Geschichte, zwei die Klassische Philologie. Weiters finden sich noch zwei Kochbücher.
Kapuzinerkloster Bregenz
Diese Dauerleihgabe umfaßt insgesamt rund 24.000 Bände, von denen ca. 7000 vor 1850 erschienen sind und damit in den Bereich der Alten Drucke fallen. Unter ihnen befinden sich 21 Inkunabeln. Schätzungsweise 5 Prozent der Drucke stammen aus dem 16. Jahrhundert, zehn Prozent aus dem 17. Jahrhundert, 40 Prozent aus dem 18. Jahrhundert und 45 Prozent aus dem 19. Jahrhundert. Rund 55 Prozent der Werke sind deutschsprachig, 40 Prozent lateinisch. Der Rest entfällt auf Französisch, Griechisch und Italienisch. Der Provenienz der Bücher entsprechend überwiegt das theologische Schrifttum. Nur ein geringer Teil, schätzungsweise 10 bis 15 Prozent, entfällt auf Klassische Philologie, Geschichte, Geographie, Landeskunde, Literatur und Naturwissenschaften.
Privatbibliotheken
Bibliothek Wolfgang Greber
Die VLB birgt in ihren Beständen auch eine Reihe interessanter ehemaliger Privatbibliotheken. Unter ihnen ist vor allem jene des Priesters Wolfgang Greber aus Bezau erwähnenswert. Der am 10. Juli 1652 in Bezau geborene Greber studierte nach dem Besuch des Lyzeums in Feldkirch in Dillingen und erwarb 1678 den akademischen Grad eines Magisters der Philosophie. Nach kurzer Zeit als Cooperator in Lingenau kehrte er in seine Heimatgemeinde zurück, wo er von 1683 bis 1720 als Seelsorger wirkte. Vor allem in den Jahrzehnten nach 1680 erwarb er eine stattliche Anzahl an Büchern, von denen sich rund hundert Bände erhalten haben. Darunter befinden sich nicht weniger als neun Inkunabeln, 48 Drucke des 16. und 40 des 17. Jahrhunderts.
Die Bestände entfallen auf beeindruckend viele verschiedene Sachgebiete: Wolfgang Greber besaß Literatur zur historischen Landeskunde, zur Geschichte, zur Theologie, zur Klassischen Philologie, zur Reformation und Gegenreformation, zur Philosophie und zu den Naturwissenschaften. Den Hauptschwerpunkt bildete bei einem Priester natürlich die Theologie. Schon an zweiter Stelle rangierte die Klassische Philologie.
Greber besaß unter anderem eine 1493 bei Christopherus de Quaietis de Antegnago und Martinus de Lazaronibus de Rovado in Venedig gedruckte Ausgabe von Aulus Gellius' Noctes Atticae, eine 1495 bei Benedictus Fontana in Venedig gedruckte Horaz-Ausgabe, eine 1510 in Paris gedruckte Valerius Maximus-Ausgabe, eine 1506 gedruckte Quintilian-Ausgabe, eine 1557 in Paris bei Benedictus Praevost gedruckte Ausgabe von Ciceros Epistolae ad familiares, eine 1513 bei Thomas Anshelm in Tübingen gedruckte Ausgabe von Curtius Rufus sowie eine 1529 bei Pierre Vidoue in Paris gedruckte Ausgabe von Dionysius von Harlikarnassos' De origine urbis Romae et Romanarum rerum antiquitate, um nur die wichtigsten zu nennen.
Für die Buchgeschichtsforschung ist die Bibliothek deswegen besonders interessant, da praktisch alle Exemplare mehrere Besitzvermerke aufweisen, sodaß der Forscher nicht nur viele einzelne Buchschicksale nachzeichnen, sondern auch viel Aufschlußreiches über die Verhältnisse des lokalen Buchmarktes im Vorarlberg des 17. und frühen 18. Jahrhunderts erfahren kann. Bei manchen Exemplaren ist es möglich, ganze Besitzerstränge zu rekonstruieren: Für eine 1568 in Köln bei Gerwin Quentel gedruckte Ausgabe des Commentarius brevis rerum in orbe gestarum von Laurentius Surius sind nicht weniger als fünf Besitzer nachweisbar. 1573 erwarb Philipp Moser aus Überlingen dieses Buch zu einem Preis von 28 Batzen. 1610 ging es dann in den Besitz des Konstanzer Domherren Johann Christoph Hager über. Als nächster Besitzer ist Pfarrer Jacob Dietrich von Sulzberg im Jahre 1645 nachweisbar. 1681 wurde das Buch dann von Wolfgang Greber, damals noch Cooperator in Lingenau, erworben. Außerdem ist noch ein Jacob Hagen als Besitzer nachweisbar. Eine 1493 in Venedig gedruckte Gellius-Ausgabe kam über Nicolaus Brendlin, einen Churer Domherren mit bedeutender Bibliothek, und Jacob Dietrich an Greber.
Der weitaus größte Teil der Greberschen Sammlung stammt aus der Bibliothek des Priesters Jacob Dietrich, der um die Mitte des 17. Jahrhunderts Pfarrer in Sulzberg war. Er stammte wie Greber aus dem Bregenzerwald, war jedoch rund vierzig Jahre älter als dieser. Auch er hatte in Dillingen studiert, wo er 1636 das Baccalaureat erworben hatte. Greber dürfte nach dessen Tod seine ganze Bibliothek oder zumindest große Teile davon erworben haben.
Ein nicht unwesentlicher Teil dieser über Dietrich an Greber gelangten Bücher hatte sich zuvor im Besitz des Konstanzer Domherren Johann Christoph Hager befunden: Neben der schon erwähnten Surius-Ausgabe sind hier vor allem eine 1476 in Venedig bei Andreas Jacobus Katharensis gedruckte Ausgabe des Diodorus Siculus sowie ein 1496 in Straßburg bei Martin Flach erschienenes Mariale von Bernardinus de Bustis zu nennen.
Die Besitzvermerke zeigen auch, daß Wolfgang Greber bei keinem der Bücher Erstbesitzer war. Dasselbe trifft auch für Jacob Dietrich und viele der anderen Vorbesitzer zu. Die Bücher wurden offensichtlich hauptsächlich aus zweiter und dritter Hand erworben.
Interessant wäre auch noch, den Weg der Bücher nach dem Tod des Wolfgang Greber zu verfolgen. Einige kamen in Privatbesitz, die meisten verblieben in der Bezauer Pfarrbibliothek und wurden später zusammen mit dem Pfarrarchiv ins Vorarlberger Landesarchiv überstellt, von wo sie schließlich in die Landesbibliothek kamen. Interessanterweise fand eine Luis de Granada-Ausgabe ihren Weg in die Hohenemser Palastbibliothek, von wo sie über die Bibliotheken des Landesmuseumsvereins und des Landesarchivs schließlich ebenfalls in die Vorarlberger Landesbibliothek kam.
Bibliothek Johannes Martin Vögl
Eine zweite Privatbibliothek stammt aus Sulzberg im Bregenzerwald. Nicht alle Werke tragen einen einheitlichen Besitzvermerk, doch ist davon auszugehen, daß der überwiegende Teil der Sammlung bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts zusammengeführt wurde und sich zu der Zeit im Besitz des in seiner Heimatgemeinde Sulzberg als Kaplan des Muttergottes-Benefiziums tätigen Johann Martin Vögl (+ 1795) befand. Der Bestand umfaßt ausschließlich theologisches Schrifttum, insgesamt 30 Titel, davon 13 aus dem 17. Jahrhundert und 17 aus dem 18. Jahrhundert, in 40 Bänden gebunden. 24 Bücher sind in Latein verfaßt, sechs in Deutsch.
Schloßbibliothek der Fürsten Rosenberg-Orsini
Die Adelsbibliothek enthält rund 1650 Druckwerke. Als ältester Besitzer ist Franz Xaver Wolf Fürst Rosenberg-Orsini (1723-1796) - Oberstkämmerer und Conferenzminister am kaiserlichen Hof in Wien - nachweisbar, der 1796 unverheiratet verstarb. Seine Fürstenwürde und mit ihr wohl auch die Bibliothek gingen an Franz Seraph (1761-1832), den erstgeborenen Sohn seines Vetters Vincenz Ferrerius Graf Rosenberg-Orsini. Mitte des 19. Jahrhunderts gelangte die Bibliothek durch Heirat der Nichte Seraphs in den Besitz der Grafen Plaz, von deren Nachfahren sie die Vorarlberger Landesbibliothek 1990 ankaufte.
Rund 83 Prozent der Werke stammen aus dem 18. Jahrhundert, etwa 9 Prozent aus dem 17. Jahrhundert, 8 Prozent aus dem 19. Jahrhundert. Aus dem 16. Jahrhundert ist ein Titel vorhanden. Die vorwiegend in französischer (53 Prozent), italienischer (21 Prozent), lateinischer und deutscher (je 10 Prozent) sowie englischer Sprache verfaßten Werke sind mehrheitlich den Bereichen Literatur - darunter eine beachtliche Zahl an Erstausgaben -, Geschichte, Geographie, Theologie, Naturwissenschaften, Diplomatiegeschichte und Militärkunde zuzuordnen.
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