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Die Vorarlberger Landesbibliothek in Bregenz
(Norbert Schnetzer/Thomas Feurstein)

 

Ein kurzer Streifzug durch ihre Geschichte

Nach zweijährigen Verhandlungen zwischen dem Land Vorarlberg und der Republik Österreich wurde am 1. September 1977 die Vorarlberger Landesbibliothek als selbständige, universell ausgerichtete wissenschaftliche Bibliothek und als bibliographische Zentrale des Landes ins Leben gerufen. Dabei handelte es sich genaugenommen um eine Neugründung, denn bereits im Jahre 1904 stimmte der Vorarlberger Landtag auf Initiative des damaligen Landesarchivars Viktor Kleiner der Schaffung einer Landesbibliothek zu. Diese Landesbibliothek war aber noch keineswegs als selbständige Einrichtung anzusehen, ihre Konzeption mehr als Hilfsbibliothek für das Archiv wie als universelle Studienbibliothek ausgerichtet.

Angesichts der zum Teil überaus bedeutenden Bibliotheken, die sich in früherer Zeit in Vorarlberg befanden, wirkte sich das Fehlen einer zentralen Sammelstelle geradezu fatal aus. Man denke dabei etwa an das Schriftgut der Benediktinerabtei in der Mehrerau, der Klöster St. Anna und Thalbach in Bregenz, des Minoritenklosters Viktorsberg und des Jesuitengymnasiums in Feldkirch oder, um den Bogen noch etwas weiter zu spannen, an die besonders wertvollen Literaturschätze der von Graf Jakob Hannibal I. gegründeten und von seinem Sohn Kaspar ausgebauten Schloßbibliothek in Hohenems. Alle diese wertvollen Büchersammlungen sind zum weitaus größten Teil für das Land Vorarlberg, wenn nicht sogar für die Nachwelt überhaupt, verloren gegangen. Die Bestände wurden eben aus Mangel an einer zentralen Institution vielfach außer Landes gebracht, verschleudert oder gar - wie das Beispiel der benediktinischen Mehrerau drastisch zeigt - vernichtet.

Zwar wurde bereits unter Maria Theresia die Notwendigkeit wissenschaftlicher Bibliotheken in Österreich erkannt. Ein staatliches, zentral geleitetes Bibliothekswesen sah die Gründung von Universitäts- bzw. Studienbibliotheken in allen Kronländern der Monarchie vor, um auf diese Weise eine Verbindung der entlegenen Länder mit der zeitgenössischen Geisteskultur herzustellen. Vorarlberg fand in diesem Konzept jedoch keine Berücksichtigung. Die eingeschränkte Eigenständigkeit in der Verwaltung durch die Zugehörigkeit zu Vorderösterreich bzw. ab 1782 zum Tiroler Gubernium, das durch die landständische Verfassung bedingte Fehlen einer zentralen Institution im Lande sowie der 1806 erfolgte Anschluß an das Königreich Bayern, der zum vollständigen Verlust der politischen Selbständigkeit Vorarlbergs führte, mögen wohl die Hauptgründe dafür gewesen sein.

Daß sich dennoch eine beachtliche Sammlung historischen Buchgutes im Besitz des Landes Vorarlberg befindet, ist dem seit 1857 bestehenden Vorarlberger Landesmuseumsverein sowie dem Vorarlberger Landesarchiv zu verdanken, das sich seit seiner Gründung im Jahre 1898 intensiv um die "Konsolidierung und zielführende Pflege des wissenschaftlichen Büchereiwesens" bemühte. Nur so war es möglich, daß die Buchbestände von ca. 3000 Bänden im Jahre 1903 auf die stattliche Anzahl von rund 50.000 Bänden im Jahre 1975 anwachsen konnten. Unter diesen befanden sich mehr als 30 Inkunabeln, eine ansehnliche Sammlung alter Vorarlberger Drucke sowie rund 100 Bände aus der ehemaligen Schloßbibliothek in Hohenems.
Die Größe der Archivbibliothek sowie die damit verbundenen gestiegenen Anforderungen an das mit den Bibliotheksagenden betraute Archivpersonal verlangten nach einer längerfristigen Lösung, da eine sinnvolle Weiterführung mit den bis dahin eingesetzten personellen und finanziellen Mitteln nicht mehr möglich war. Nicht zuletzt aufgrund des neu erwachten kulturellen Bewußtseins, das sich die Aufgabe stellte, diesbezügliche Lücken so gut wie möglich zu schließen, gelang im Herbst 1977 der Durchbruch.

Bedingt durch die Tatsache, daß als wichtigster Grundstock für die neue Landesbibliothek die Bestände der bisherigen Archivbibliothek in Frage kamen, bildeten Landesarchiv und Landesbibliothek in den folgenden Jahren eine räumliche Einheit. Die für beide Institutionen zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten im "Alten Landhaus" in der Kirchstraße konnten jedoch infolge des steten Aufschwungs der ersten öffentlich-wissenschaftlichen Universalbibliothek des Landes einen zweckmäßigen Betrieb bald nicht mehr gewährleisten. Unter der Leitung von Direktor Dr. Eberhard Tiefenthaler waren die Bestände der Landesbibliothek innerhalb weniger Jahre auf das Sechsfache angewachsen, der Mitarbeiterstab hatte sich von einem Dienstposten im Jahre 1977 auf 14 im Jahre 1984 vergrößert. Seinem unermüdlichen Einsatz ist es zu verdanken, daß die Landesbibliothek nach Beendigung der ersten Bauetappe am 5. August 1985 ihr neues Haus, das seit 1981 im Besitz des Landes befindliche ehemalige Benediktinerstift St. Gallus, beziehen konnte. Knapp ein Jahr später - die zweite Bauetappe (Mitteltrakt und Teile des Nordflügels) war abgeschlossen - wurde die Vorarlberger Landesbibliothek am 27. Juni 1986 durch Landeshauptmann Dr. Herbert Kessler feierlich eröffnet.

Der ehemalige Klosterkomplex St. Gallusstift befindet sich am westlichen Fuße des Gebhardsberges und ist im Laufe von über 600 Jahren entstanden. Der "Genius loci" reicht jedoch viel weiter zurück, wie Ausgrabungen aus dem Jahre 1904 zeigen. Dabei wurde nämlich u.a. ein Weihealtar aus dem 3. Jh. n. Chr. entdeckt, dessen Inschrift mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine von den keltischen Vindelikern übernommene Lokalgottheit hinweist. Die kultische Tradition dieses geschichtsträchtigen Bodens kann somit unter Berücksichtigung anderer archäologischer Funde an diesem Ort wohl in die Zeit des keltischen Brigantion, Jahrhunderte vor dem Römerfall im Jahre 15 v. Chr., zurückverfolgt werden.

Mit großer Wahrscheinlichkeit auf demselben Areal gründeten die irischen Mönche Kolumban und Gallus im Jahre 610, mit einem Schutzbrief des austrasischen Königs Theudebert versehen, die erste klösterliche Niederlassung im süddeutschen Raum. Mit ihren irischen bzw. fränkischen Begleitern bauten sie nahe einer aus spätrömischer Zeit stammenden und von den Alemannen entweihten Kapelle hölzerne Zellenhäuschen, legten einen Garten an, züchteten Vieh und waren missionarisch tätig. In ihrem Bethaus verwendeten sie eine mitgebrachte Kupferblechglocke irischer Herkunft, die sich bis heute erhalten hat. 1786 wurde sie aus Bregenz weggebracht und ist heute in der Kathedrale von St. Gallen zu besichtigen. Aus dieser Zeit wird weiters in schriftlichen Quellen überliefert, wie der Gründerabt Kolumban im Frühjahr 612 bei seinem Bregenzer Kloster "auf dem verfaulten Stamm einer Eiche saß und in einem Buch las".

Im Spätmittelalter tritt die weitere historische Entwicklung des Geländes deutlicher ins Blickfeld. Das Gut Babenwohl taucht urkundlich im 13. Jh. auf, in die zweite Hälfte des 14. Jh. fällt die Erbauung des Schlößchens, das als Vorburg der Festung auf dem Gebhardsberg zu den zahlreichen montfortischen Lehensgütern gehörte. Im Mauerwerk des Südflügels der heutigen Landesbibliothek sind Teile dieser Burg erhalten geblieben. Der älteste bekannte Lehensinhaber trägt den Namen Jäck Keller und ist für die Zeit um 1380 urkundlich bezeugt. Auf ihn folgen in den kommenden zwei Jahrhunderten zahlreiche weltliche wie auch geistliche Lehensherren. 1523 gelangt Babenwohl im Zuge des Verkaufs der zweiten Hälfte der Herrschaft Bregenz in die Hände der Habsburger.

1601 erwirbt die Benediktinerabtei Mehrerau das Gut und benützt in Notzeiten das Wohnhaus als Unterschlupf. Die Stallungen dienen zur Winterung des Alpviehs. Zwischenzeitlich wird Babenwohl, dessen Lehenschaft wohl beim Kauf durch das Kloster Mehrerau aufgelassen wurde, an Bregenzer Bürger verpachtet. Aus dieser Zeit stammt die erste genaue bildliche Darstellung des Ansitzes.

Der abgedruckte Stich aus Merians "Topographia Sueviae" von 1643 zeigt am Abhang westlich des Schlößchens eine Kirche, die zum Babenwohlareal gehört. Diese wird auf Betreiben des damaligen Mehrerauer Abtes und der Stadt Bregenz unter Einbeziehung der legendären Gallusgrotte erbaut, nachdem die am selben Ort stehende "alte" Gallensteinkapelle baufällig und deshalb abgerissen wurde. Die daraus resultierende Zunahme der Gallusverehrung am Gallenstein führt 1697 zu einem eigenen "Beneficium ad Lapidem Sti. Galli". 1788 muß die Kirche infolge der josephinischen Reformen geschlossen werden, das Vermögen verfällt zugunsten des Religionsfonds. Nach dem Tod des Kaisers 1790 wird sie zwar wieder eröffnet, doch bereits im Jahre 1808, nachdem sie in der Zwischenzeit infolge Vernachläßigung allmählich verkam, unter der bayerischen Verwaltung versteigert und daraufhin abgebrochen.
Bereits 1806 fällt das Gut Babenwohl infolge der gewaltsamen Auflösung der Mehrerau an das Königreich Bayern; anläßlich der Rückkehr Vorarlbergs zum habsburgischen Kaiserreich geht es in den Besitz des österreichischen Ärars über, der es aufgrund des äußerst schlechten baulichen Zustandes wieder verkauft. Der neue Besitzer des gesamten Areals, Plazidus Schilling, verwendet es als landwirtschaftliches Gut und läßt im Jahre 1850, als er Baumaterial benötigt, die noch vorhandene Gallusgrotte und den eigentlichen Gallenstein durch Sprengung vernichten.

Am 11. Februar 1854 ersteht der aus Würzburg stammende Baron Ernest von Poellnitz das Schlößchen Babenwohl sowie das gesamte angrenzende Grundstück. Nach eigenen Plänen läßt der Großvater von Grete Gulbranson, die in ihrer Jugend öfters auf Babenwohl weilte und in ihrem Roman "Geliebte Schatten" über das Leben in diesem Haus berichtet, das Gebäude renovieren und durch Erweiterungen als Wohnsitz für sich und seine Familie herrichten. Im Zuge dieses vom Bregenzer Baumeister Gabriel Mallaun durchgeführten Umbaues erhält das Schlößchen das heutige Erscheinungsbild.

Poellnitz' vierte Tochter Adele Fitz Gibbon verkauft am 3. August 1906 die gesamte Liegenschaft an den Benediktinerkonvent von Mariastein. Dieses 1085 in Beinwil im Jura gegründete und 1648 zur Wallfahrt Mariastein im Kanton Solothurn verlegte Kloster war 1875 dem schweizerischen Kulturkampf zum Opfer gefallen. Abt und Mönche wurden gewaltsam aus dem Kloster gewiesen und mußten bis auf wenige Patres, die die Marienwallfahrt zu betreuen hatten, die Eidgenossenschaft verlassen. Auf der Suche nach einem passenden Asyl in der Nähe der Grenze zur Schweiz kam der Konvent unter der Führung des Abtes Augustin III. Rothenflue über Zwischenaufenthalte im französischen Delle und in Dürrnberg bei Hallein nach Bregenz.

Kaum ein Jahr nach dem Erwerb entfaltet der Konvent eine große Bautätigkeit. In den Jahren 1907 bis 1911 entstehen der nördlich an das Schlößchen Babenwohl anschließende klassizistische Konventbau (heute Mitteltrakt der Landesbibliothek) nach Entwürfen des Architekten Lukas Geis aus Freiburg/Br. sowie im rechten Winkel nach Osten gerichtet der Bibliotheksflügel und der Chorraum der projektierten Klosterkirche. Sowohl dem Nordflügel als auch dem 1914/15 errichteten kuppelüberhöhten Kirchenschiff liegen Pläne des berühmten Schweizer Kirchenbauarchitekten Adolf Gaudy aus Rapperswil zugrunde. Die Einweihung erfolgt wegen des Krieges in aller Stille am 3. Februar 1916.

Das "Benediktinerstift St. Gallus", wie der Klosterkompex fortan benannt wird, entfaltet in der Zwischenkriegszeit ein reiches spirituelles Leben, die benediktinische Klostergemeinschaft zählt bei der neuerlichen gewaltsamen Vertreibung 70 Mitglieder. Innerhalb von knapp zwölf Stunden müssen die Konventualen, mit wenigen Habseligkeiten versehen, am 2. Jänner 1941 das Stift in Richtung Schweiz verlassen. Beamte der Geheimen Staatspolizei und des Grenzpolizeikommissariates Bregenz besetzen das Gebäude und wüten "wie Vandalen". Nachdem ein Großteil der Kunstgegenstände geplündert oder zerstört, die Kirchenbänke zu Nutzholz "verarbeitet" und zahlreiche Wäsche an die Bevölkerung verkauft oder verteilt war, läßt die politische Behörde das Haus als landwirtschaftliche Berufsschule und Reservelazarett nutzen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird das Gallusstift nur noch von einem Statthalter verwaltet. Der Konvent selbst kehrt nicht mehr vollständig zurück, sondern überläßt den Mitteltrakt sowie Teile des Nordflügels ab 1946 dem Bundesgymnasium für Mädchen mietweise als Schulhaus. Als zu Beginn der 70er Jahre das Stammkloster Mariastein durch kantonale Volksabstimmung sowohl juristisch als auch materiell wieder in den Besitz des Konvents übergeht, verliert das Gallusstift endgültig seine Rolle als Asylkloster.

Gut zehn Jahre später, als der letzte Benediktiner das Kloster Bregenz verläßt, geht das gesamte Anwesen durch Kauf an das Land Vorarlberg über. Im Sommer 1983 zieht auch das Mädchengymnasium in ein anderes Gebäude um, sodaß noch im selben Jahr mit der Renovierung und Adaptierung der Baulichkeiten nach Plänen des Architekten Dipl. Ing. Hellfried Delpin begonnen werden kann.

Mit dem Umbau der ehemaligen Stiftskirche in einen prächtigen Bibliothekssaal, der am 30. April 1993 in einer feierlichen Veranstaltung durch Landeshauptmann Dr. Martin Purtscher eröffnet wurde, steht nun der gesamte Gebäudekomplex der Vorarlberger Landesbibliothek und somit ihren Benützern zur Verfügung.


Benutzung der Vorarlberger Landesbibliothek

Mit dem Umzug der Vorarlberger Landesbibliothek aus den beengten Verhältnissen der Bregenzer Kirchstraße in die Räumlichkeiten des Gallusstifts konnte die Auskunftsbereitschaft erheblich gesteigert werden. Großzügige Öffnungszeiten (Mo-Fr. 9–18.30, Sa 9–12.30) erlauben es seither auch Berufstätigen, die Bibliothek zu besuchen. Die Bestände, die heute ca. 365.000 Einheiten umfassen, wobei ca. 170.000 über das EDV- System suchbar sind, konnten erheblich erweitert werden. Während früher die durchwegs magazinierten Bücher dem direkten Zugriff der Benutzer entzogen waren, kann heute jedes Buch - einige Sonderfälle natürlich ausgenommen - an Ort und Stelle konsultiert werden. Dazu kommen 970 abonnierte Zeitschriften, sowie eine erhebliche Menge älterer Zeitschriftenbestände, Mikrofiche, Mikrofilme, Karten und anderer Medien.

Folgende zentrale Funktionen bilden den Kern des Informationsangebots, das 1995 zur Verfügung steht:


1. Landeskundliche Sammlung für das Bundesland Vorarlberg

Zu den Vorarlbergensien, die möglichst lückenlos gesammelt werden sollten, zählt die Literatur über Vorarlberg, die Literatur, die von Vorarlbergern verfaßt wird, sowie Publikationen, die in Vorarlberg gedruckt oder erschienen sind. Neben Monographien, Zeitschriften und Zeitungen versucht die Bibliothek auch kleinere Publikationen von Vereinen, Institutionen, Schulen, Firmen oder politischen Parteien zu sammeln.

Die Vorarlbergensiensammlung umfaßt derzeit ca. 12.000 Monographien, etwa 710 laufende Zeitschriften (Pfarrblätter, Gemeindeblätter...), Zeitungen, zeitschriftenähnliche Reihen sowie die Tagespresse, deren Artikel seit 1982 dokumentarisch erfaßt werden. Auch die Tageszeitungen Österreichs und jene des benachbarten Auslands (Neue Zürcher Zeitung, Süddeutsche Allgemeine Zeitung...) werden nach Artikeln abgesucht, die Vorarlbergbezug aufweisen. In dieser Zeitungsdokumentation kann sowohl nach Sachschlagwörtern als auch nach Personenschlagwörtern gesucht werden. Die Vorarlberger Zeitungen können seit einigen Jahren nicht mehr im Original eingesehen werden, sondern es werden aus konservatorischen Zwecken Mikroverfilmungen angefertigt, die den Lesern zur Verfügung stehen. Durch diese Maßnahme werden die Originale, die nun platzsparend gelagert werden, geschont.

Schwer erhältliche - und daher oft unvollständig vorhandene - Druckwerke wie Plakate, Flugblätter, Einladungen, Programme oder andere Kleindrucke ergänzen die Sammlung.

In Hinblick auf das immer vielfältiger werdende Angebot an Informationen sind bei den genannten Publikationen nicht nur Druckwerke, sondern immer auch elektronische und audiovisuelle Medien gemeint. Selbstverständlich kann daher in der Landesbibliothek auch auf die in Vorarlberg entstandenen Datenbanken zugegriffen werden. Es handelt sich dabei um VORIS, das Vorarlberger Rechtsinformationssystem, in dem das gesamte Landesgesetz maschinenlesbar abgespeichert ist und damit vielfältige Zugriffsmöglichkeiten erlaubt, sowie die Bodenseedatenbank, die von Konstanz aus verwaltet wird und die jährlichen Neuerscheinungen rund um den Bodensee in einer gemeinsamen Bibliographie zusammenfaßt.

Die Sammeltätigkeit der Landesbibliothek wird durch ein Bundesgesetz und eine daran angeschlossene Verordnung "Über die Ablieferung und Anbietung von Pflichtstücken" unterstützt. Diese besagt, daß die Vorarlberger Medieninhaber (Verleger) verpflichtet sind, von Monographien 2 Exemplare, von periodisch erscheinenden Schriften 3 Exemplare kostenlos an die Landesbibliothek abzuliefern. Bei der Vielzahl der Klein- und Eigenverlage bedarf es trotz der gesetzlichen Regelung oft noch umfangreicher Nachforschungen, bis die gewünschte Publikation in der Bibliothek eintrifft. In vielen Fällen ist es der Gefälligkeit oder der Kontakte von publizierenden Personen zur Bibliothek zu verdanken, daß deren Produkte in den Katalogen aufscheinen.

Neben der Sammlung und Verarbeitung aktueller Literatur erstreckt sich die Sammeltätigkeit der Bibliothek auch auf ältere Literatur, die vor ihrer Gründung verfaßt wurde. Obwohl in der Bibliothek des Landesmuseumsvereins und seit 1898 im Landesarchiv Literatur mit Vorarlbergbezug gesammelt wurde, und diese Bestände an die Bibliothek übergeben wurden, klaffen noch immer Lücken in der Vorarbergensiensammlung. Schenkungen, Leihgaben und gezielte Ankäufe sollen hier Abhilfe schaffen.


2. Studienbibliothek

Eine Studienbibliothek ist für Vorarlberg von besonderer Bedeutung, da seit jeher eine Universität fehlt, und in der Folge auch die Literaturversorgung darunter leidet. Sie soll der wissenschaftlich interessierten Bevölkerung, den Studenten und den Schülern des Einzugsgebiets, das sich über die Landesgrenzen hinweg auch in den süddeutschen Raum erstreckt, Fachliteratur zur Verfügung stellen. Bei der Gründung der Landesbibliothek war dieser Buchbestand unterentwickelt, da bis dahin vor allem historisches und landeskundliches Schrifttum gesammelt wurde. Die Umstellung auf eine universelle Studienbibliothek dauerte mehrere Jahre, die Statistik besagt jedoch, daß diese Defizite nun langsam abgebaut sind. Obwohl die Abteilungen Geschichte und Vorarlbergensien immer noch leicht steigende Ausleihzahlen aufweisen, sinkt ihr Anteil an den ausgeliehenen Büchern kontinuierlich ab. Er liegt nur noch bei ca. 20%, obwohl ihr Anteil an den katalogisierten Büchern noch immer 40% beträgt. Vielmehr sind es nun die an den Universitäten am häufigsten inskribierten Fächer, die bei der Ausleihe die höchsten Zuwachsraten zu verzeichnen haben. Hervorzuheben ist das Fachgebiet Elektronische Datenverarbeitung, das im Verhältnis zum Buchbestand am meisten gefragt ist.

Während die Bibliothek jährlich ca. 6.000 Bände erwirbt (mit einem Jahresbudget für 1994 von 5,4 Millionen, das aber für das Jahr 1995 durch die Sparpolitik auf 3,8 Millionen drastisch gekürzt wurde), erweitern immer wieder umfangreiche Schenkungen oder Ankäufe von Konvoluten den landeskundlichen Teil der Bibliothek:

Kapuzinerbibliothek Bezau (Kauf): 1978, 9.000 Bände Bibliothek des Kollegs Stella Matutina (Schenkung): 1981, 58.000 Bände Bibliothek Theodor Veiter (Kauf, Schenkung): 1983-1995, 13.000 Bände Bibliothek der Kapuziner in Bregenz (Dauerleihgabe): 1992, 22.000 Bände P>

Aufgrund der Vervielfachung des Angebots erhöhte sich die Anzahl der Entlehnungen geradezu explosionsartig. Während 1985 noch 7.240 Bücher entliehen wurden, waren es 1992 bereits 103.444. Die Steigerung setzte sich auch 1994 mit ca. 143.000 Entlehnungen weiter fort. Parallel dazu ist die Zahl der Vorarlberger Studenten stark gestiegen, was sich in steigenden Benutzerzahlen vor allem junger, in Ausbildung stehender Personen ausdrückt.

Die Anzahl der eingeschriebenen Benutzer hat sich von 1986 bis 1994 fast verachtfacht und beträgt mittlerweile ungefähr 14.000 Personen, die jemals die Landesbibliothek frequentiert und dabei auch einen Ausweis gelöst haben (Jahresgebühr: Schüler, Studenten , Senioren: öS 50 ; Erwachsene: öS 100). Die jährliche Anzahl der aktiven Leser, die tatsächlich Bücher entlehnen, liegt bei ca. 3.700. Die "Dunkelziffer" der Benutzer dürfte noch erheblich höher liegen, da Leser, die keinen Ausweis lösen, die Bibliothek also nur an Ort und Stelle benützen, von uns nicht registriert werden.

Diese rasche Zunahme ist nicht zuletzt zahlreichen Führungen und Veranstaltungen zu verdanken. So nahmen von 1987 bis 1994 ca. 12.000 Personen an Führungen teil, wobei es allein 1994 3.400 Personen waren.

Der Großteil der geführten Personen besucht im Rahmen des Schulunterrichts die Landesbibliothek, es sind aber auch immer mehr Vereine und Firmen, die Interesse für die Leistungen der Bibliothek zeigen. Die Führungen konzentrieren sich je nach Bedarf entweder auf die konkreten Aufgaben der Bibliothek – eine Einführung in das Bibliothekssystem natürlich inbegriffen – oder auf den architektonischen Reichtum des ehemaligen Benediktinerklosters.

Sporadische Ausstellungen und Veranstaltungen, für die der neu renovierte Kuppelsaal geradezu prädestiniert ist, sollen einerseits die Bibliothek zum Kulturzentrum werden lassen, anderseits neue Benutzerschichten in die Bibliothek führen. (z.B. Austellungen: Österreichische Exilschriftsteller, Kultur der Abtei St. Gallen; Veranstaltungen: Opern-Workshop der Bregenzer Festspiele, Klavierkonzert von Paul Gulda, Diavorträge...)


3. Mediathek

Mit der Renovierung des Kuppelsaals konnte die ehemalige Sakristei der Stiftskirche in eine schon längst notwendig gewordene Mediathek umgewandelt werden. Um den Vollständigkeitsauftrag hinsichtlich der Vorarlbergensien weiterhin erfüllen zu können, mußten auch nicht gedruckte Medien in die Sammlung integriert werden. Im Vordergrund stehen audiovisuelle Medien wie Filmmaterial, aufgezeichnete Radiosendungen und Fotografien.

Um landeskundlich Relevantes zu finden, kommen natürlich vor allem die Sendungen des ORF in Betracht, größtenteils Sendungen des Landesstudios Vorarlberg (z.B. Vorarlberg-Heute, Österreich-Heute, Inlandsreport...). Das seit 1988 aufgenommene Filmmaterial (ca. 25.000 Beiträge) füllt mittlerweile ca. 1.400 Videocassetten, die in einem klimatisierten Raum aufbewahrt werden, um ihre Haltbarkeit zu verlängern. Das Copyright verbietet es der Bibliothek, die mitgeschnittenen und beschlagworteten Filmbeiträge auszuleihen oder zu kopieren, eine Vorführung kann daher nur in Bibliotheksräumen erfolgen. Die Aufgabe besteht somit aus der Sicherung und Archivierung von landeskundlichem Filmaterial. Immer häufiger kommt zur aktuellen Berichterstattung auch älteres Filmmaterial, das Wochenschauen entnommen oder von Privaten angeboten wird.

Der Bereich Hörfunk beschränkt sich auf mitgeschnittene Sendungen des Lokalradios, die landeskundlich interessantes Material enthalten.
Die Fotosammlung besteht im wesentlichen aus 3 großen Teilsammlungen, die als Ankauf oder als Schenkung in den Besitz der Landesbibliothek gelangten: Archiv der Firma Risch-Lau: 30.000 Negative, Sammlung Alf Stäger: 130.000 Negative, Archiv der Landesbildstelle (Helmut Klapper): 30.000 Bilder. Auch die Fotosammlung wird im Moment nach sachlichen Gesichtspunkten erschlossen, die Daten in unterschiedliche Kategorien eingeteilt und im Datenbanksytem LARS abgelegt, womit in weiterer Folge auch eine selbständige Abfrage durch die Benutzer möglich wird.