Paul Renner
November/Dezember 1992
Bildende und angewandte Kunst
Biographie
geb. 1957 in Bludenz. Lebt in München und im Bregenzerwald. Seit 1978
umfangreiche Ausstellungstätigkeit in Galerien Europas und den USA; in Museen
und Kunstvereinen. 1989 Curt-Thorsen-Kunstpreis, München. 1992
Rudolf-Wacker-Preis, Bregenz.
Statement
Sein Chiosaufenthalt fällt in die Zeit der geplanten Malpause. Aus dem Vorhaben,
eine Arbeit in Pirgi zu erstellen, wird ein Tagebuch.
Renner hat einen von Leidenschaft geführten Stil, der wie sein Blick, Farbigkeit
und Vielseitigkeit sucht. Er folgt dem Bedürfnis des Malers, sich die Welt zu
verinnerlichen. Das Tagebuch leitet atmosphärisch mit den ehrlichen Gefühlen des
Neuankommenden ein: die Orientierung in den fremden Räumen, im Ort, zu den
Menschen.
Von Anfang an ist Renner die geographische Lage der Insel Chios bewußt,
insbesondere die Nähe zur Türkei, wohin er auch kurz reisen wird. Angeregt zu
Vergleichen mit anderen Ländern zum Beispiel mit ortsüblichen Speisen, Kräutern,
Nutzpflanzen, gibt er sinnenbezogen und als persönliche Teilhabe weiter.
Zurück in Pirgi, bereist er die ganze Insel, informiert den Leser über
Assoziationen und Querverbindungen bis in die Malerei. Absurdes stellt er mit
Humor fest und beobachtet sich selber kritisch.
Renner nimmt die im Zyklus der Jahreszeiten typischen Arbeiten der Bevölkerung
interessiert auf: Ernte des Mastix, der Orangen, das Pressen von Oliven.
Es entsteht ein mit Stimmungen und individuellen Betrachtungen angehäuftes
Künstler-Tagebuch. Kein systematisch bearbeiteter Reiseführer, aber lesenswert,
um mit Chios vertrauter zu werden.
Entsprechend seiner Arbeitsweise, ist das Buch noch nicht als beendet zu werten:
Auflage A erhielt einen zeichnerischen Kommentar, das Tagebuch wird nochmals
eine Erweiterung mit Auflage B erfahren.
Chios auf einer Reise durch die Levante, 1992
Tagebuch
21 x 15cm