„Wir müssen danach trachten, bestimmte Entwicklungen in der Kultur möglichst frühzeitig zu erkennen, um sie zu begleiten und fördern zu können“, so Kulturreferent Landesstatthalter Hans-Peter Bischof bei der Kulturenquete des Landtages.
„Die Vorarlberger Kulturpolitik ist bemüht, die Entwicklung der breit gefächerten kulturellen Szene sensibel zu verfolgen, dem Bewährten seinen Platz zu sichern, zugleich aber Raum für die Förderung des Neuen und Innovativen zu gewinnen. Aufgrund der rasanten Entwicklung im Bereich der öffentlichen Kulturförderung ist es notwendig, sich intensiv mit der Thematik zu befassen“, so Landtagspräsident Gebhard Halder. Dies sei auch Hintergrund der Kulturenquete, die den politischen Repräsentanten die Möglichkeit biete, sich mit fundierten Thesen und neuen Entwicklungen in der Kulturpolitik und Kulturförderung auseinander setzen zu können.
Kulturreferent Landesstatthalter Hans-Peter Bischof skizzierte in seinem Impulsreferat die Kulturpolitik und Kulturförderung des Landes. Besonders hob Bischof die Rolle des Landeskulturbeirates und der Kulturkommissionen hervor, die dank der Einbindung von Experten ganz entscheidend zur Qualitätssicherung in der Kulturpolitik des Landes beitragen. Ein regelmäßiger Austausch zwischen Kulturschaffenden und Kulturpolitik sei unabdingbar, um Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, sie zu begleiten und zu fördern. Nur so könne der hohe Standard gewährleistet werden.
„Kulturpolitik braucht Ziele“, so Werner Heinrichs, Rektor der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Kulturpolitik müsse auch den „Mut zur Strukturierung“ haben. Heinrichs nannte hier die Basisebene mit Vereins- und Jugendkultur, die mittlere Ebene mit Weiterbildungseinrichtungen, Musikschulen, Museen, Theater und Konzerten und an der Spitze der Pyramide ökonomische und Marketingziele sowie kulturelle Highlights und Kultur-Events. Kultur präge ganz wesentlich die „Marke Vorarlberg“, so Heinrichs, der empfahl, Kultur stärker als bisher für das Landesmarketing einzusetzen. Konkret schlug er dabei die beiden Konzepte „Spezifität des Ortes“ und „Tor zum Süden“ vor.In der Kulturfinanzierung sprach Heinrichs sich für das Konzept „Matching Funds“ aus. Nach diesem Konzept der Komplementärfinanzierung zahle die öffentliche Hand jenen Beitrag hinzu, der von Kulturinstitutionen privat durch Eintrittserlöse und Merchandising erwirtschaftet werde. Dieses Konzept könne mit einer Grundfinanzierung gekoppelt werden und der Beitrag der öffentlichen Hand ließe sich dann auch als „Gütesiegel“ einsetzen. „Wir müssen von der Kulturverwaltung zur Kulturgestaltung kommen“, so Heinrichs abschließend, der empfahl, den Kulturbegriff des Kulturförderungsgesetzes zu reformieren.
Stefan Hagen, Geschäftsführer der startup euregio Management GmbH, skizzierte den Ist-Zustand Vorarlbergs Kulturpolitik anhand eines für das Land erstellten Wirkungsbildes. Reinhard Kannonier, Rektor der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz befasste sich mit Leitbildern in der Kulturpolitik und Susanne Tanner, Leiterin der Fachstelle Kultur des Kantons Zürich, informierte das Verständnis von Kulturpolitik und Förderung in der Schweiz anhand des Filmförderwesens.
Referentin/Referenten:
Rektor Univ.-Prof. Dr. Werner Heinrichs
Seit 2002 Rektor der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Von 1990 bis 2002 Inhaber des Lehrstuhls für Kulturwissenschaft und Kulturmanagement sowie Leiter des Instituts für Kulturmanagement der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. In zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen widmet er sich den Themen Kulturmanagement, Kulturpolitik und Kulturfinanzierung.
Mag. (FH) Stefan Hagen
Seit 2002 Geschäftsführer der startup euregio Management GmbH mit Schwerpunkt im Bereich Projektmanagement-Beratung und Training. Im Auftrag des Landes Vorarlberg und in Zusammenarbeit mit der Kulturabteilung begleitet er die Erstellung eines Wirkungsmodells der Kulturpolitik der Vorarlberger Landesregierung. Im Sinne einer strukturierten Bestandsaufnahme bildet dieses Modell den Ist-Stand des subventionierten Kulturbetriebs ab und bildet die Grundlage zur systematischen Dokumentation, Analyse und Weite
Rektor Univ.-Prof. Dr. Reinhard Kannonier
Seit 1995 gemeinsam mit Rudolf Ardelt und Helmut Konrad wissenschaftliche Leitung des Ludwig Boltzmann Instituts für Gesellschafts- und Kulturgeschichte (Linz-Salzburg-Graz). Seit Oktober 2000 Rektor der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz. 1992/93 Jean Monnet Fellowship am European University Institute in Florenz/Italien: Forschungsprojekt: Kulturelle Leitbilder am Beispiel von vier zentraleuropäischen Städten (Bologna, Leipzig, Linz, Ljubljana/Laibach). Verfasser der Stud
lic.phil. Susanna Tanner
Von 1995 bis 1997 Abteilungsleiterin Ressort Jazz/Rock/Pop des Präsidialdepartements der Stadt Zürich. Seit 1997 Leiterin der Fachstelle Kultur des Kantons Zürich. Federführend verantwortlich für verschiedene Maßnahmen, die das Umfeld für das freie künstlerische Schaffen positiv verändern sollen.
INFO:
Die Referate von Landesstatthalter Dr. Hans-Peter Bischof sowie den Referenten Dr. Heinrichs und Frau Tanner finden Sie unten als Downloads.
Download:
Referat LStH Dr. Bischof 02.11.2005 (37 kB)
Referat Dr. Heinrichs 02.11.2005 (31 kB)
Referat Fr. Tanner 02.11.2005 (42 kB)
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