Aufbau des Familienbuchs

Buch: Band I, Kapitel 1.1

In den früheren Zeiten erfolgte die Schreibweise der Vor- und Familiennamen meist nach der Sprechweise bzw. es wurde nach Gehör niedergeschrieben. So ergeben sich insbesondere bei auswärtigen Personen unterschiedliche Schreibweisen bei verschiedenen Einträgen, auch wechseln die Schreibweisen mit den jeweiligen Pfarrern. Erst im 19. Jahrhundert wurden die Familiennamen in ihrer Schreibweise verbindlich festgelegt. In den vorhandenen Dokumenten, insbesondere den Kirchenbüchern, gibt es deshalb für die gleichen Familien im Allgemeinen mehrere Schreibweisen. Weibliche Personen führten den Familiennamen mit der weiblichen Endung -in, also z. B. Algin oder Hagin/Hägin; endete der Familienname bereits auf -in, so war dies gleichzeitig auch die weibliche Form, also ist die weibliche Form von Hemerlin wiederum Hemerlin. Zur besseren Übersicht ist die weibliche Endung -in im Familienbuch weitgehend weggelassen.

Da die Unterschiede in der Schreibweise von der Sache her nichts bedeuten, sind die Familiennamen auf die gängigste Schreibweise festgelegt und durchgängig benutzt. Die so gewählte Schreibweise stimmt mit der heutigen weitgehend überein. Lediglich bei den folgenden Familiennamen werden zwei verschiedene Schreibweisen benutzt:

Das Familienbuch ist nach Kennzeichen, die aus einem Kürzel des Familiennamens und einer Nummer gebildet sind, chronologisch geordnet. Das Kennzeichen besteht für die häufig auftretenden Familiennamen aus zwei Buchstaben und lautet für die einzelnen Familien:

Für alle übrigen Namen ist der Name auch Kennzeichen. Dem Kennzeichen folgt dann eine Nummer; beispielsweise ist ha11 eine Nummer für Hagen, he235 für Hemerlin und Frey/13 eine Nummer für den Namen Frey. An einigen Stellen ist die Nummer mittels kleiner Buchstaben noch weiter unterteilt, z.B. al9a. Die Nummern sind nicht lückenlos geführt, die Lücken entstanden im Laufe der Bearbeitung durch Zusammenlegung von Mehrehen oder durch Zuordnung zu bereits vorhandenen Einträgen. Die Vergabe der Nummern selbst erfolgte so, dass sich eine weitgehend chronologische Reihenfolge für die einzelnen Familien ergibt.

Die Nummerierung von [SF3] wurde weitgehend beibehalten. Lediglich bei den sonstigen Familien wurde wegen der vielen neuen Familien eine neue Nummerierung vorgenommen.

Die Kinder innerhalb einer Nummer sind ab 1 nummeriert, bei Mehrehen beginnt die Nummerierung der Kinder bei jeder Ehe jeweils wieder bei 1.

Da in den Kirchenbüchern die Vornamen meist in der lateinischen Form bezeichnet sind, im täglichen Umgang aber sicherlich diese Formen nicht benutzt wurden, sind die heute üblichen offiziellen Bezeichnungen bei den Vornamen gewählt. Dass diese Wahl sinnvoll ist, ergibt sich aus den Einträgen im Sterbebuch, wo öfters auch die deutsche Form des Vornamens benutzt wurde. Im einzelnen sind folgende synonyme Bezeichnungen bzw. Schreibweisen gebräuchlich:

Im Namensregister werden nur die Familiennamen erfasst, eine Differenzierung nach Vornamen unterbleibt. Es sind alle Eheeinträge sowie die ledigen Mütter und Väter erfasst, Taufeinträge sind im Namensregister generell nicht berücksichtigt. Mehrfaches Auftreten eines Namens innerhalb einer Nummer ist nicht vermerkt.

Soweit bekannt ist bei den Personen für die Zeit bis ca. 1780 vermerkt, ob sie leibeigen waren; im Jahre 1795 hob Gräfin Maria Rebekka von Harrach-Hohenems die Leibeigenschaft auf. Die Leibeigenschaft war ein persönliches Abhängigkeitsverhältnis des Leibeigenen gegenüber dem Leibherrn, dessen Kennzeichen insbesondere die fehlende Freizügigkeit, die Verpflichtung zu Diensten, eine jährliche Anerkennungsabgabe und eine Abgabe im Todesfall ist (Fahl oder Besthaupt genannt). Die Leibeigenschaft vererbt sich über die Mutter. Genealogisch gibt es somit die männliche Namenslinie und die weibliche Linie der Leibeigenschaft; Abweichungen sind möglich durch Freikauf oder freiwillige Annahme der Leibeigenschaft.


Methoden

Buch: Band I, Kapitel 1.3

Ein Schlüssel für die Erstellung des Familienbuchs liegt bei den Ehedispensen. Nach kirchlichem Recht ist bei naher Verwandtschaft - sowohl bei Blutsverwandtschaft als auch bei Schwägerschaft - eine Ehedispens erforderlich. Der Grad der Blutsverwandtschaft wird im kirchlichem Recht nach der Zahl der Generationen bis zum gemeinsamen Stammvater bzw. zur gemeinsamen Stammmutter gezählt, also:

Entsprechend sind die Grade der Schwägerschaft definiert:

Blutsverwandtschaft im 2./3. Grad bedeutet, dass die Großeltern des einen Ehepartners und die Urgroßeltern des anderen identisch sind; Blutsverwandtschaft im 3. Grad bedeutet, dass beide Ehepartner ein gemeinsames Urgroßelternpaar (oder einen gemeinsamen Urgroßvater oder eine gemeinsame Urgroßmutter) haben.

Im Ehebuch ist - wie schon erwähnt - bei den Heiraten öfters vermerkt, ob eine Dispens notwendig war und dann auch erteilt wurde. In den meisten Fällen ist der Grad der Blutsverwandtschaft, bzw. der Schwägerschaft bei Mehrehen, vermerkt. In einigen wenigen Fällen sind noch die "Ur-Geschwister", von denen die Brautleute abstammen, angegeben:

Eine vorhandene Dispens kann nun dazu genutzt werden, den Kreis der möglichen Ehepartner einzuengen und gegebenenfalls - wenn nur eine Person übrig bleibt - zu finden. Ist andererseits eine Dispens nicht vermerkt, so scheiden alle nahen Verwandten als mögliche Ehepartner aus; somit ist auch das Fehlen einer Dispens ebenfalls - mit einer gewissen Vorsicht, da ja eine Verwandtschaft eventuell auch bewusst verschwiegen wurde - eine wertvolle Information.

Natürlich ist auch bei den Eheeinträgen bezüglich der Dispensen mit fehlerhaften Einträgen zu rechnen. Wegen der Wichtigkeit der Dispens dürfte die Fehlerrate gering sein. Es besteht allerdings der Eindruck, dass die Pfarrer aus der Familie Hemerlin sich genau in ihrer Verwandtschaft auskannten und daher für ihre Verwandten genauere Angaben lieferten - für Nichtverwandte sind dagegen wohl Verwandtschaftsangaben eher unterblieben.

In den jeweiligen Anmerkungen ist die der Ehedispens zugrunde liegende Blutsverwandtschaft bzw. Schwägerschaft spezifiziert. Der Kürze halber ist bei Einehen der Zusatz "Blutsverwandtschaft" weggelassen, bei Mehrehen ist angegeben, ob es sich um Blutsverwandtschaft oder Schwägerschaft handelt, sofern diese Unterscheidung im Ehebuch vermerkt ist. Ist eine Dispens noch nicht geklärt, so ist dies in der Anmerkung mit "?" markiert.

An einigen Stellen ist im Familienbuch der Taufeintrag korrigiert, wenn offensichtlich ein Fehler vorliegt. Beispiel: In bo18 wird für Kind Nr. II-2 als Vater Bernhard Geser und als Mutter Margareta Hagen genannt. Da es ein Ehepaar mit diesbezüglichen Namen nicht gibt, die angegebenen Paten aber mit den Paten der übrigen Kindern von bo18 übereinstimmen, ist dem Pfarrer beim Eintrag offensichtlich der Fehler unterlaufen, den Familiennamen des Vaters mit Geser anstatt richtig mit Bösch einzutragen - zur selben Zeit gibt es auch einen Bernhard Geser.

Die Vulgonamen sind eine gute Hilfe bei der Rekonstruktion der verwandtschaftlichen Verhältnisse. Sie gehen häufig auf die nächsten Generationen über – in der Regel über die männliche Linie, jedoch sind auch Übergänge über die weiblichen Linie möglich. Der häufigste Vulgoname ist "Maier" bei dem Geschlecht Grabher, den es vom Beginn der Aufzeichnungen bis heute gibt – er teilte sozusagen die Grabher in zwei Linien.

Beispiele für die Fortführung der Vulgonamen über Generationen hinweg sind: