Tagung der Österr. Textilindustrie am 26.09.2006 in Bregenz (vlnr Nationalratsabg. Kopf, Textilindustrie-Präsident Pfneisl, Landtagspräsident Halder)
Österreichs Textilindustrie musste die letzten Jahre einen Bereinigungsprozess durchmachen. Dies lässt sich auch anhand der Beschäftigtenzahlen dokumentieren. So waren 1995 noch knapp 20.600 in diesem Industriezweig beschäftigt. Im Jahr 2004 betrug der Anteil nunmehr knapp 13.700. Die Textilindustrie hat sich aus den Top 5-Branchen verabschieden müssen. Sowohl was die Produktion anbelangt als auch die Beschäftigtenzahlen. Hier haben ihr heute die Maschinen- und Stahlbauindustrie, die Elektro- und Elektronikindustrie, der Sektor Metallwaren, die Chemische Industrie und die Holzindustrie den Rang abgelaufen. Auch Vorarlberg musste sich vor Jahren diesem Strukturbereinigungsprozess stellen. Das einst klassische Textilland Vorarlberg kann heute zwar noch immer auf einige Vorzeigeunternehmen verweisen, aber auch hier übernahmen andere Branchen die führende Rolle.
Einige Wirtschaftszahlen:
Industrie
In den ersten 4 Monaten des Jahres 2006 haben die Vorarlberger Industriebetriebe ein Umsatzplus von 10,7% gegenüber dem Vorjahr erzielt. Aus einer Umfrage bei den größeren Industriebetrieben Vorarlbergs (Juli 2006) geht hervor, dass die Geschäftslage derzeit durchwegs als sehr gut bezeichnet wird und die Auftragsbücher voll sind. Fast ein Drittel der befragten Betriebe wollen ihre Mitarbeiterzahl erhöhen will. Lediglich die Situation bei den Verkaufspreisen und somit den Erträgen ist nach wie vor nicht sehr erfreulich. Vor allem die stark gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten machen den Unternehmen zu schaffen.
Gewerbe, Handwerk und Dienstleistungen
Die Vorarlberger Gewerbebetriebe (ohne Bauwirtschaft) haben im Zeitraum Jänner bis April 2006 gegenüber der gleichen Vorjahresperiode um 18% mehr produziert. Nach der jüngsten Erhebung der KMU-Forschung-Austria (Juni 2006) ist die Stimmung im Vorarlberger Gewerbe und Handwerk derzeit besser als in den letzten fünf Jahren. Die Auftragsbestände in den investitionsgüternahen Branchen sind allerdings leicht. Bei den konsumnahen Wirtschaftszweigen sind die Umsätze gegenüber dem Vorjahr ebenfalls rückläufig. Die Erwartungen für das restliche Jahr sind allerdings durchwegs gut, es besteht sogar vielfach die Absicht, zusätzliches Personal einzustellen.
Bauwirtschaft
Die Vorarlberger Bauwirtschaft hat im heurigen Jahr ihren an sich schon hohen Produktionswert noch weiter steigern können. Von Jänner bis April 2006 nahmen die Bauumsätze gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum nach den Meldungen der Unternehmen um rund 40% zu, wobei im Hochbau noch höhere Umsatzsteigerungen gemeldet wurden als im Tiefbau.
Handel
Der Vorarlberger Einzelhandel hat nach einem stagnierenden Geschäftsjahr 2005 heuer deutlich zugelegt: Die Umsätze nahmen im ersten Halbjahr 2006 nominell um 2% gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum zu. Vorarlberg hatte damit die höchste Steigerungsrate unter allen österreichischen Bundesländern erzielt (im Bundesdurchschnitt waren es 1,2 %). Umsatzträger waren vor allem Spielwaren, Uhren und Schmuck sowie Lederwaren. Stagnierende Umsätze gab es bei Bekleidung. Für das Gesamtjahr 2006 kann mit einem weiteren positiven Geschäftsverlauf gerechnet werden.
Tourismus
Die Zahl der Nächtigungen ist im vergangenen Winter in Vorarlberg um 1,4% zurückgegangen. Diese rückläufige Entwicklung war vor allem auf eine schlechte Auslastung der Privatunterkünfte und Campingplätze zurückzuführen, während die gewerblichen Betriebe positiv abgeschlossen haben. Nach Herkunftsländern betrachtet waren es vor allem die Gäste aus Deutschland, deren Zahl relativ stark gesunken ist (- 4%). Auch die laufende Sommersaison hat durch das katastrophale Wetter im Mai bisher zu einem im Verhältnis zum Vorjahr negativen Ergebnis geführt. Trotz der hervorragenden Wettersituation in den Monaten Juni und Juli - aber einem verregneten August - wird die Tourismuswirtschaft schließlich froh sein, wenn das heurige Sommerergebnis doch noch den letztjährigen Wert erreicht.
Arbeitsmarkt
Die Lage auf dem Vorarlberger Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Monaten weiter entspannt. Per Ende Juli 2006 waren 7668 Personen als arbeitslos gemeldet, das sind um 9% weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank dadurch auf 5% (österreichweit betrug sie 5,5%). Bei der Gesamtzahl der Beschäftigten gab es in Vorarlberg Ende Juli mit 144.578 Personen einen neuen absoluten Rekord. Das sind um 1,1% mehr als vor einem Jahr (im Österreichdurchschnitt sind es plus 1,7 %).
Unternehmensgründungen und Insolvenzen
Die Gründungstätigkeit hat sich im Vergleich zum Vorjahr heuer etwas abgeschwächt. Im ersten Halbjahr 2006 entstanden 480 neue Unternehmen, um knapp 10 % weniger als im Vorjahr. Auch die Zahl der eröffneten Insolvenzen im gewerblichen Bereich ist zurückgegangen. Im ersten Halbjahr 2006 gab es insgesamt 57 Konkurse und Ausgleiche, um 12% weniger als im Vorjahr.